Tag-Archiv für 'freiräume'


Ihr wollt Monopoly spielen? …besser das Spiel kaputtmachen!

von A(nok)

Nun ist die erste Aufregung vorbei und das InWoLe hat seine Förderkohle behalten. Doch die Auseinandersetzung um die Folgen ist noch nicht vorbei. Eine Folge ist die Neuauflage einer der unsäglichsten Artikel aus der unsäglichen „Hallo Potsdam“ in Form eines langen Zitats…
eine Antwort auf „Lerneffekte“ in der Potsdamned Nr. 9

Hallo, soziale Bewegung?

Beide Teile des Artikels bedienen sich einer unangenehmen Managmentsprache. Da ist von Synergieeffekten und Effizienz und Infrastruktur die Rede. Dazu passend wird auch noch eine Monopoly-Metapher bemüht. Manche Texte entwaffnen sich schon in der Sprache einfach selbst. Beide Artikel offenbaren ein sehr schräges Verständnis von sozialer Bewegung und Revolte, oder sie haben einfach kein Verständnis davon. Beides ist symptomatisch für das Ende einer Bewegung. Der Zyklus Hausbesetzerbewegung ist vorbei und kann auch nicht so einfach durch eine, zugegebenermaßen relativ erfolgreiche, Freiraumkampagne wiederbelebt werden.

Hier geht es im ersten Schritt um die „effizientere“ Verwaltung der Restbestände einer sozialen Bewegung und im zweiten Schritt um den inhaltsleeren und vor allem Bewegung-freien, planmäßigen Ausbau von Infrastruktur. Das Wachstum als Selbstzweck. Und wenn’s klappt kann mensch da bestimmt auch noch einen Job als (Haus-) Projektberater_in abgreifen. Das ist ja irgendwie auch die Verbindung von Arbeit und Politik. Das wäre der nächste Schritt in der Professionalisierung der Bewegungsmanager_innen (ohne Bewegung).

Einer der spannenden Punkte an sozialen Bewegungen ist es kollektiv, eigene Erfahrungen zu machen, das heißt vielleicht auch Fehler zu wiederholen. Das heißt nicht das mensch sich nicht helfen lässt oder sich woanders Inspiration sucht. Und falls so was wie eine soziale Bewegung wieder auftaucht, sollten wir eben auch offen und „transparent“ sein und unsere Erfahrungen mit einbringen. Dafür müssten wir uns allerdings auch auf die Suche nach diesen neuen Bewegungen machen und nicht ewig im Alten hängen bleiben.

Von dem, was auch die Hausbesetzer_innenbewegung einmal spannend gemacht hat, lassen die Artikel nichts mehr übrig. Es zählt (im wahrsten Sinne des Wortes) nur noch die Infrastruktur, der Raum. Die Freiräume sind nicht mit Inhalten gefüllt, Menschen kommen da nur noch als Mittel zum Zweck vor.
Aber um mein Leben gemeinsam mit anderen zu organisieren, zusammen um ein besseres zu kämpfen, brauch ich kein „eigenes Haus“, das geht auch in einem normalen Mietverhältnis.
Die beiden Artikel drehen das um, wollen uns glauben machen, wenn nur erstmal ein Haus da ist, dann ziehen da auch welche ein. Wenn wir erstmal die Infrastruktur für eine soziale Bewegung hinstellen, kommt die Bewegung schon.

Leute haben doch nicht mit sprühen angefangen, weil die VIP gesagt hat: macht doch eine_r mal die Stromhäuschen bunter. Menschen besetzen ja nicht deswegen keine Häuser mehr, weil´s ihnen niemand erklärt wie´s geht, genauso wenig wie die legalen Häuser deswegen Probleme haben voll zu werden, weil keine_r weiß, dass da Zimmer frei sind. Glaubt ihr denn wirklich, dass die Leute einfach nur darauf warten, dass da eine_r vorbeikommt und sie „mobilisiert“?
Wenn wir uns fragen warum die Leute die vielfach vorhandenen Strukturen nicht oder falsch nutzen (die vielbeklagte Konsument_innenhaltung), dann kommen wir doch auf andere Antworten, oder?

Eine Bewegung lässt sich weder herbei organisieren, hier sollten wir nicht Kampagnen mit Bewegung verwechseln, noch scheitert sie an ineffektivem Management. Effektives Management war schon immer das Ende eines jeden emanzipativen Aufbruchs.

Soziale Bewegungen entstehen wenn Leute mit einem gemeinsamen Problem, (neu) zusammenkommen, diskutieren, sich organisieren, zusammen Kämpfen. Einer dieser Punkte kann der hohe Mietpreis sein. Aber reden wir mit unseren Nachbarn_innen, machen wir ihnen den Vorschlag sich mal zusammenzusetzen, um mit mehr Leuten darüber zu reden? Bewegen wir uns eigentlich in Nachbarschaften in denen die Leute Probleme haben ihre Miete zu bezahlen?
Sind wir Teil von solchen Versuchen, und die gibt es immer wieder, versuchen wir sie anzustoßen? Oder ziehen wir uns weiter raus und sagen den anderen, die meist in Lebenssituationen stecken in denen wir auch auch kein Hausprojekt stemmen könnten, macht´s doch so wie wir? Funktioniert zwar auch nicht gut, aber dafür sind wir keine Spießer, super!

Hallo. Revolte?

Die Idee den Kapitalismus mit seinen eigenen Waffen zu schlagen, und ihn einfach mit Genossenschaften und Vereinen von Innen her aufzukaufen ist fast so alt wie der Kapitalismus selbst. Diese Idee kam meist am Ende einer Revolte auf, dann wenn der Sturm vorbei war und die realistischen Sachverwalter der Reste zum Zuge kamen. Von der Volkseisen-Raiffeisenbank über den genossenschaftlichen Wohnungsbau (mit so revolutionären Namen wie „Karl Marx“) bis zur Existenzgründerinitative, namens Genossenschaftsbewegung, der gescheiterten Spontis in den 70/80ern, sind alle Pleite oder vom Kapitalismus eingesogen worden. Genauso wie in den meisten, in den 80ern legalisierten, Häusern in Kreuzberg vom einst revolutionären Ansprüchen nichts mehr übrig ist. Ein Geschäfts- oder Mietmodell unter vielen. Selbstverwaltung und kollektives Eigentum sind kein Selbstzweck. Es muss darum gehen Eigentum als eine Grundlage des Kapitalismus anzugreifen und nicht, ein kapitalkonformes, kollektives Selbstmanagement der eigenen Armut aufzubauen. Ein legales Hausprojekt an sich, ist so wenig ein Bruch mit dem Kapitalismus, wie eine Belegschaft die Belegschaftsaktien kauft.

Nichts anderes ist erstmal das Mietshäusersyndikat, vollkommen inhaltsleer ist das einzige Ziel Immobilien vom freien Markt zu nehmen und in kollektive Besitzverhältnisse zu überführen. Da ist die Wohnungsgenossenschaft Karl Marx allein in Potsdam
erfolgreicher.
Wie gesagt, die Idee ist nicht gerade neu.

Na klar, werden jetzt einige sagen: Aber es kommt ja darauf an wie mensch die „Freiraumprojekte“ füllt. Genau! Darauf kommt es an, aber genau darum geht es diesem Artikel nicht. Darum ging es sehr selten, wenn in letzter Zeit von Freiraum und Freiraumbewegung die Rede war. Und wenn wir darüber reden, dann darüber, was in den Häusern passiert, z.B. ob mensch sich wirklich vom Familienministerium fördern lassen sollte (kein anderes Haus in Potsdam hat es wirklich einen Furz interessiert, wenn sie von der CDU angegriffen worden sind und das sag ich nicht aus Häme, sondern weil ich das gesamte Finanzierungskonzept des InWoLe schon vorher für einen Fehler hielt). Wollen wir wirklich die ganze Zeit mit so einem Wichtigtuer wie Dirk Hader zu tun haben?
Oder was eben nicht passiert. Reicht es uns wirklich einfach „nur“ in einer Groß-WG zu leben und ne fette Baustelle am Arsch zu haben?
War das spannende an der Hausbesetzerbewegung nicht auch die Revolte, das Illegale, der zumindest gefühlte und auch nur zeitweise Bruch mit allem, mit Eigentum, Arbeit(szwang), Mainstream-Kultur und Familienstrukturen? War es es nicht auch das, weswegen die Bewegung so groß wurde?
Wo verlaufen die Brüche heute, wenn nicht mehr an den Häusern entlang? Nutzen wir unser Zusammensein in den (Rest-)Häusern um zu kämpfen oder haben wir uns längst aufs schöner Wohnen zurückgezogen?

Hallo, Staat! Hallo, Kapitalismus!

„Freiraumbürger“ ist auch nur ein anderes Wort für Staatsbürger! Das Schild „Ende des demokratischen Sektors“ ist schon lange abgeschraubt. Sich auch noch selbst in einer solchen Kategorie wie „Bürger“ zu denken, offenbart eine Fixierung auf den Staat, die Angst macht. Aber klar, wer vom Familienministerium gefördert werden will, muss sich wohl deren Sprache bedienen. Und schneller als gedacht quatscht mensch mit einer solchen Rhetorik in einer vermeintlich linksradikalen Zeitung.
Forderungen nach einer steuerlichen Absetzbarkeit der eigenen, als Politik verpackten, Sozialarbeit oder Förderung durch die Stadt sind das Gegenteil von emanzipativer, ganz zu schweigen von revolutionärer Politik. Wollen wir daran arbeiten, dass wir unsere Politik (schlecht) bezahlt kriegen oder den Zwang, der Tätigkeit zur Lohnarbeit macht, mal grundsätzlich angehen? Dafür müsste ´ne radikale Linke allerdings mal aufhören an ihren Nischen zu basteln, die dann oft genug noch als Prototyp der Modernisierung des Kapitalismus dienen. Flache Hierarchien, kollektiv verantwortliche Gruppenarbeit, Eigenverantwortlichkeit, Selbständigkeit, die schöne neue prekäre Arbeitswelt ist links!

Und natürlich sind wir alle nicht frei von Alimentierungen durch den Staat. Dies war immer der sozialdemokratische Weg, soziale Bewegungen zu spalten, einzubeziehen, ruhig zu stellen. Das reicht von der Arbeitslosenversicherung bis zu den legalisierten Häusern. Der Unterschied ist die Wertung: Sagen wir, das wurde dem Staat abgerungen oder waren das Mechanismen um Konflikte zu deckeln und die Leute wieder auf den Boden der kapitalistischen Grundordnung zu holen? Das erste war einer der Preise dafür, das sich die Sozialdemokratie an der blutigen Niederschlagung der (entstehenden) Räterepubliken beteiligt, zweiteres war der Preis dafür, dass eine sterbende Bewegung in ihren Rückzugsgefechten nicht andauernd die Innenstadt zerlegt. Beides sind Ergebnisse verschiedenster Formen des Klassenkampfs, und zwar der unversöhnlichen Art, beide waren zwar Ergebnisse, aber nicht die Ziele.

Wenn wir anfangen unsere Forderungen von Anfang an Papa Staat zu richten, nehmen wir den Kämpfen von Anfang an ihre emanzipative, revolutionäre Spitze, ja überhaupt die darin enthaltene Möglichkeit die ganze Scheiß doch mal umzustürzen. Am
Ende muss jede_r allein zum Amt.
Dass wir mit der Bettelei an den Staat im sozialdemokratischen Sumpf Potsdam, wo mensch auch immer noch ein bisschen Angst vor einem Wiederaufflammen der alten Zeiten hat, offene Türen einrennen, geschenkt. Im Zweifelsfall springt da auch mal ein „Freiland“ heraus. Ein Erfolg, klar, irgendwie schon. Ein Bruch mit den Verhältnissen? Nicht ansatzweise.

Die Frage ist: Haben wir schon in unseren Träumen kapituliert, und lassen uns auf das sozialdemokratische Projekt ein? Der zitierte „Hallo Potsdam“-Artikel hat sogar die Chuzpe uns das als „Utopie“ zu verkaufen. Wenn das Utopie ist, wie sieht dann reale Politik aus!?!
Argumentieren wir nicht mal mehr mit den Sachzwängen, um diese scheiß Kompromisse vor uns selbst zu rechtfertigen? Ein Teil der „Szene“ hat sich schon voll und ganz auf die Monopolylogik eingelassen und füllt damit eine ganze Zeitung. Aber noch weniger als von Kreuzberg aus die Welt gesquatet wurde („Squat the world“), wird von Freiburg aus die Welt kollektiviert werden.

Fangen wir doch mal ein neues Spiel an. Soziale Bewegungen schaffen sich ihre Freiräume, aber Infrastruktur schafft keine neuen Bewegungen.
Lassen wir die alten Kategorien, die elende Verlängerung einer toten Bewegung, doch endlich hinter uns. Angesichts einer weltweiten Krise der Kapitalverwertung auf dem vorläufigen Höhepunkt, deren Folgen wir seit 30 Jahren bezahlen, sollten wir anfangen alles neu zu denken.
Warum haben sich nicht sofort nach der Bekanntgabe des aktuellen Sparpakets die „HartzIV-Eltern“ aus der (Polit?-)Szene zu Wort gemeldet und angefangen den Widerstand zu organisieren? Wir haben es mit dem größten Verarmungsprogramm seit den HartzIV-Reformen zu tun. An der fehlenden Infrastruktur kann es nicht liegen.
Denken wir ernsthaft darüber nach, wie wir anfangen diese ganzen scheiß Verhältnisse umstürzen. Wenn das in den Wohnprojekten oder auch im Spartakus passieren würde, saniere ich auch noch weitere 10 Jahre die vorhandenen
Bauruinen.

In rage geschrieben hat sich: A(nok)

P.S.: Nur so zur Einordnung: Die meisten Fragen stelle ich mir aus gegebenen Anlass selbst.

Recht auf Pdm

Im letzten halben Jahr wimmelte es von Beiträgen über Stadtentwicklung und Gentrifizierung, über Möglichkeiten und Grenzen linksradikaler Politik u.a. mit Hausprojekten und deren Perspektiven im linken Diskurs und wichtiger – im Ganzen. Bestimmt gehts auch schon viel länger, aber mir ist es erst jetzt deutlich geworden.

Im Anschluss an den phase2 Artikel über Stadtentwicklung und den Slogan „Recht auf Stadt“ (#35,2010), der JW-Reihe über Hausprojekte (#13,2010), der Exrotaprint-Diskussionrunde (http://metropolenpolitik.wordpress.com/) aber auch der der Mediaspree-Versenken-Kampagne, der Wir-Bleiben-Alle Aktivitäten, der Stuttgart-Bahnhof oder Hamburggeschichte und letztendlich auch wieder in der aktuellen arranca (#41) – einiges ist in Bewegung.
Mir scheint, dass viele spannende Zugänge und Überlegungen noch nicht so recht (/nicht mehr so recht) in Potsdam bedacht bzw. nicht gemeinsam diskutiert werden.

So weist ein Beitrag aus der phase 2 (#35,2010) auf eine nach meiner Meinung nach interessante These: Neoliberale Praxis und Planerische Methode stellen abgesteckte Räume zur Verfügung, in denen Selbstverwaltung und -Organisation nicht nur geduldet sondern erzwungen werden. Sodass Menschen optimal als Ressource genutzt werden können.

Das schließt an die Frage an, inwiefern vormals als emanzipatorisch gekennzeichnete Methoden und Strategien sich evt. überlebt haben und strategisches Neudenken nötig ist. Für die Freiraumdiskussion bedeutete dies ein nochmaliges Nachdenken über gewünschte Effekte und aufgehalste Arbeit. Was ist positiv an welcher Art von Organisation in einem Haus und wieviel ist es uns wert? Was bringt es uns auf dem weg zur Verbesserung unserer und aller menschlicher Arbeits- und Lebensbedingungen, auf dem Weg zur Überwindung des Kapitalismus?

Dass Häuser kein Endzweck sind sondern nur Werkzeug, ist breit angenommen (oder?). Wenn es aber “nur“ Werkzeuge sind, um z.B. an sozialen Kämpfen teil zu nehmen oder um preiswerten Wohn- und Projektraum zur Verfügung zu stellen, wie wichtig ist dann die innere Strukturiertheit? Wie sehen die tatsächlichen Bedürfnisse der Projektmitglieder aus? Wie sind solch „Freiräume“ bestenfalls nutzbar für die Intervention in soziale Konflikte – Heute und hier in Potsdam.

Vor kurzem habe ich dazu in der aktuellen arranca (#42) noch zwei interessante Beiträge gefunden:
1. fels: Ich glaub, ich seh Gespenster. Die Linke und wo es sonst noch spukt
2. Friederike Habermann: Auf die Revolution warten ist Quark

INTERSQUAT – Festival in Berlin

von intersquatberlin.blogsport.de

Liebe Leute!
Bevor ihr unser Konzept lest, noch ein kleiner Hinweis:

Den Rahmen eines Festivals zu stellen ist keinesfalls eine leichte Aufgabe. Es ist jedoch eine, die wir gerne übernehmen.

Neben der Schaffung des Rahmens, diesen auch noch mit Inhalt zu füllen, ist für uns als Orga-Gruppe jedoch weder zu schaffen, noch mit unseren Prinzipien zu vereinbaren, schließlich ist Intersquat kein Konsumspektakel sondern ein D.I.Y.-Festival und lebt von eurer und unser aller Initiative!

Und so wie jeder Bilderrahmen ohne Bild nicht viel an Inhalt hergibt, könnte auch das Festival ohne eure Beteiligung sehr schnell ziemlich leer aussehen.
Deswegen ist es extrem wichtig, dass ihr, wenn ihr es euch vorstellen könnt, Workshops, Diskussionsrunden, Infoveranstaltungen, Aktionen und was euch noch so alles einfällt, organisiert.

Teilt uns eure Pläne und Ideen bis zum 13. August unter intersquat-berlin@riseup.net mit, damit wir das Festivalprogramm koordinieren können. Denn auch wenn wir eine Festivaldauer vom 10. bis zum 19. September diesen Jahres anstreben, hängt das Erreichen dieses Ziels von euch ab. Gibt es zu wenig Initiative eurerseits, wird das Festival statt neun Tagen vielleicht nur sieben, oder weniger Tage dauern.
Die genaue Festivaldauer werden wir euch am 15. August auf unserem Blog mitteilen.

Wir freuen uns auf unsere Zusammenarbeit!
Viel Vergnügen beim Lesen des Konzepts, wir sehen uns im September in Berlin!

INTERSQUAT – Festival Berlin
Lasst uns zusammen vom 10. – 19. September 2010 auf dem Berliner INTERSQUAT-Festival einen selbstbestimmten Freiraum und eine Plattform für die Auseinandersetzung mit verschiedenen Vorstellungen schaffen, Begegnungen initiieren, uns vernetzen und gemeinsam Perspektiven entwickeln.

Inspiriert durch bereits stattgefundene INTERSQUAT-Festivals an verschiedensten Orten der Welt wollen wir mit euch zusammen dieses Jahr in Berlin unseren Utopien einen Raum geben.

Die Möglichkeiten ein selbstbestimmtes Leben zu führen,werden kontinuierlich eingeschränkt, viele vorhandene Freiraumstrukturen sind akut bedroht. Dadurch verschwinden Räume und auch damit verbundene Möglichkeiten, selbstbestimmt Alternativen zu bestehenden Verhältnissen erfahrbar zu machen und zu leben, sich zu organisieren, zu diskutieren und auszutauschen.

Aus unserer Sicht ist eine umfassende Kritik an Kapitalismus, Herrschaft und damit einhergehenden Strukturen notwendig.

Wir wünschen uns eine Diskussion um Alternativen, sowie eine offene Auseinandersetzung und einen Austausch über Gegenpraktiken zur Diskriminierung von Lebewesen. Freiräume sind für uns Orte, an denen sich alle Lebewesen frei von Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Hautfarbe, Sexualität, Geld oder anderen von der Gesellschaft konstruierten Ungleichheiten bewegen können. Weil Formen der Unterdrückung in unserer Gesellschaft alltäglich vorkommen, ist es wichtig, Räume zu schaffen und zu erhalten, in denen diese nicht akzeptiert, sondern diskutiert und reflektiert werden. Sie sollten das Ausleben der eigenen Identität und die freie Entfaltung von Lebensentwürfen ermöglichen. Wir versuchen eine Loslösung davon zu praktizieren, Bewusstsein zu schaffen und zu sensibilisieren.

Die sogenannte Gentrifi zierung wird uns früher oder später alle einholen, wenn wir uns ihr nicht entgegenstellen.

Die „Aufwertung“ von Städten zwingt nicht nur alternative Lebensräume weltweit dazu rentablen Objekten zu weichen: Wo neue Häuser gebaut werden und alte Gebäude im Glanz profi tabler Totalsanierungen erstrahlen, kommt es unausweichlich zu einer Steigerung der Mietpreise. Dadurch erfolgt eine Verdrängung von Geringverdienenden und strukturell diskriminierten Gesellschaftsmitgliedern in Randgebiete.

Bewegungen, die sich diesen gesellschaftlichen Missständen entgegensetzen werden oftmals kriminalisiert. Durch repressive Maßnahmen wird ihr Aktionspotential gedämpft. Um auf diese Maßnahmen besser reagieren zu können und die Freiraumbewegung stärker und handlungsfähiger zu machen, ist auf dem Festival ein Raum vorhanden, um uns untereinander
besser zu vernetzen und uns verstärkt miteinander zu solidarisieren.

Innerhalb eines vielfältigen und kraftvollen kreativen Festival-Rahmens wird es viel Platz geben für selbstorganisierte Aktionen, Diskussionsrunden, Workshops, Informationsveranstaltungen, Ausstellungen, Musik und Kunst als Protest- oder Widerstandsform bzw. spontan entstehende Ideen.
Außerdem wird es auf dem Festival einen Umsonstfl ohmarkt geben, der die kapitalistische Logik von Wert und Gegenwert durchbrechen soll.

Anstöße für gemeinsame Diskussionen und das Suchen nach Lösungsansätzen könnten sein:
Wie äußert sich Gentrifi zierung in den verschiedenen Städten?
Wie steht es um Squats weltweit?
Wie können wir uns untereinander besser vernetzen?
Wie können wir mit unseren Protest- und Aktionsformen auf größere Solidarität stoßen?

Da die Freiraumthematik sehr komplex ist und unter sich eine große Bandbreite anderer Themen, wie (um nur einige Beispiele zu nennen) Kapitalismuskritik, die Ablehnung von Herrschaft und Anti-Sexismus beinhaltet, steht es außer Frage, dass das Festival auch einen offenen Raum für diese bietet..

Sexismus, Rassismus, sowie alle anderen Formen von Diskriminierung und die Verklärung hierarchischer Strukturen werden auf dem Festival selbstverständlich weder toleriert noch akzeptiert!!!

Lasst uns unsere Vorstellungen und Utopien vom freien wilden Leben teilen!
Das Festival wächst durch eure Beteiligung. Ihr wollt eine Infoveranstaltung oder einen Workshop gestalten, eine Diskussionsrunde initiieren, eure Musik oder Kunst zeigen, oder habt noch andere Ideen und Themenvorschläge für das Festival?
Meldet euch unter: intersquat-berlin@riseup.net

Bringt eure Zelte, eure Ideen und eure ungebremste kämpferische Leidenschaft mit!
Frei denken? Frei leben? Frei(T)räume für alle!

intersquatberlin.blogsport.de

V.i.S.d.P.: B. Setzt, Straße der Freiheit 13, 15738 Zeuthen

INTERSQUAT - Festival Berlin