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Ihr wollt Monopoly spielen? …besser das Spiel kaputtmachen!

von A(nok)

Nun ist die erste Aufregung vorbei und das InWoLe hat seine Förderkohle behalten. Doch die Auseinandersetzung um die Folgen ist noch nicht vorbei.

Eine Folge ist die Neuauflage einer der unsäglichsten Artikel aus der unsäglichen „Hallo Potsdam“ in Form eines langen Zitats… eine Antwort auf „Lerneffekte“ in der Potsdamned Nr. 9

Hallo, soziale Bewegung?

Beide Teile des Artikels bedienen sich einer unangenehmen Managmentsprache. Da ist von Synergieeffekten und Effizienz und Infrastruktur die Rede. Dazu passend wird auch noch eine Monopoly-Metapher bemüht. Manche Texte entwaffnen sich schon in der Sprache einfach selbst.
Beide Artikel offenbaren ein sehr schräges Verständnis von sozialer Bewegung und Revolte, oder sie haben einfach kein Verständnis davon. Beides ist symptomatisch für das Ende einer Bewegung. Der Zyklus Hausbesetzerbewegung ist vorbei und kann auch nicht so einfach durch eine, zugegebenermaßen relativ erfolgreiche, Freiraumkampagne wiederbelebt werden.

Hier geht es im ersten Schritt um die „effizientere“ Verwaltung der Restbestände einer sozialen Bewegung und im zweiten Schritt um den inhaltsleeren und vor allem Bewegung-freien, planmäßigen Ausbau von Infrastruktur. Das Wachstum als Selbstzweck. Und wenn’s klappt kann mensch da bestimmt auch noch einen Job als (Haus-) Projektberater_in abgreifen. Das ist ja irgendwie auch die Verbindung von Arbeit und Politik. Das wäre der nächste Schritt in der Professionalisierung der Bewegungsmanager_innen (ohne Bewegung).

Einer der spannenden Punkte an sozialen Bewegungen ist es kollektiv, eigene Erfahrungen zu machen, das heißt vielleicht auch Fehler zu wiederholen. Das heißt nicht das mensch sich nicht helfen lässt oder sich woanders Inspiration sucht. Und falls so was wie eine soziale Bewegung wieder auftaucht, sollten wir eben auch offen und „transparent“ sein und unsere Erfahrungen mit einbringen. Dafür müssten wir uns allerdings auch auf die Suche nach diesen neuen Bewegungen machen und nicht ewig im Alten hängen bleiben

Von dem, was auch die Hausbesetzer_innenbewegung einmal spannend gemacht hat, lassen die Artikel nichts mehr übrig. Es zählt (im wahrsten Sinne des Wortes) nur noch die Infrastruktur, der Raum. Die Freiräume sind nicht mit Inhalten gefüllt, Menschen kommen da nur noch als Mittel zum Zweck vor.
Aber um mein Leben gemeinsam mit anderen zu organisieren, zusammen um ein besseres zu kämpfen, brauch ich kein „eigenes Haus“, das geht auch in einem normalen Mietverhältnis.
Die beiden Artikel drehen das um, wollen uns glauben machen, wenn nur erstmal ein Haus da ist, dann ziehen da auch welche ein. Wenn wir erstmal die Infrastruktur für eine soziale Bewegung hinstellen, kommt die Bewegung schon.

Leute haben doch nicht mit sprühen angefangen, weil die VIP gesagt hat: macht doch eine_r mal die Stromhäuschen bunter. Menschen besetzen ja nicht deswegen keine Häuser mehr, weil´s ihnen niemand erklärt wie´s geht, genauso wenig wie die legalen Häuser deswegen Probleme haben voll zu werden, weil keine_r weiß, dass da Zimmer frei sind. Glaubt ihr denn wirklich, dass die Leute einfach nur darauf warten, dass da eine_r vorbeikommt und sie „mobilisiert“?
Wenn wir uns fragen warum die Leute die vielfach vorhandenen Strukturen nicht oder falsch nutzen (die vielbeklagte Konsument_innenhaltung), dann kommen wir doch auf andere Antworten, oder?

Eine Bewegung lässt sich weder herbei organisieren, hier sollten wir nicht Kampagnen mit Bewegung verwechseln, noch scheitert sie an ineffektivem Management. Effektives Management war schon immer das Ende eines jeden emanzipativen Aufbruchs.

Soziale Bewegungen entstehen wenn Leute mit einem gemeinsamen Problem, (neu) zusammenkommen, diskutieren, sich organisieren, zusammen Kämpfen. Einer dieser Punkte kann der hohe Mietpreis sein. Aber reden wir mit unseren Nachbarn_innen, machen wir ihnen den Vorschlag sich mal zusammenzusetzen, um mit mehr Leuten darüber zu reden? Bewegen wir uns eigentlich in Nachbarschaften in denen die Leute Probleme haben ihre Miete zu bezahlen?
Sind wir Teil von solchen Versuchen, und die gibt es immer wieder, versuchen wir sie anzustoßen? Oder ziehen wir uns weiter raus und sagen den anderen, die meist in Lebenssituationen stecken in denen wir auch auch kein Hausprojekt stemmen könnten, macht´s doch so wie wir? Funktioniert zwar auch nicht gut, aber dafür sind wir keine Spießer, super!

Hallo. Revolte?

Die Idee den Kapitalismus mit seinen eigenen Waffen zu schlagen, und ihn einfach mit Genossenschaften und Vereinen von Innen her aufzukaufen ist fast so alt wie der Kapitalismus selbst. Diese Idee kam meist am Ende einer Revolte auf, dann wenn der Sturm vorbei war und die realistischen Sachverwalter der Reste zum Zuge kamen. Von der Volkseisen-Raiffeisenbank über den genossenschaftlichen Wohnungsbau (mit so revolutionären Namen wie „Karl Marx“) bis zur Existenzgründerinitative, namens Genossenschaftsbewegung, der gescheiterten Spontis in den 70/80ern, sind alle Pleite oder vom Kapitalismus eingesogen worden. Genauso wie in den meisten, in den 80ern legalisierten, Häusern in Kreuzberg vom einst revolutionären Ansprüchen nichts mehr übrig ist. Ein Geschäfts- oder Mietmodell unter vielen. Selbstverwaltung und kollektives Eigentum sind kein Selbstzweck. Es muss darum gehen Eigentum als eine Grundlage des Kapitalismus anzugreifen und nicht, ein kapitalkonformes, kollektives Selbstmanagement der eigenen Armut aufzubauen. Ein legales Hausprojekt an sich, ist so wenig ein Bruch mit dem Kapitalismus, wie eine Belegschaft die Belegschaftsaktien kauft.

Nichts anderes ist erstmal das Mietshäusersyndikat, vollkommen inhaltsleer ist das einzige Ziel Immobilien vom freien Markt zu nehmen und in kollektive Besitzverhältnisse zu überführen. Da ist die Wohnungsgenossenschaft Karl Marx allein in Potsdam erfolgreicher.
Wie gesagt, die Idee ist nicht gerade neu.

Na klar, werden jetzt einige sagen: Aber es kommt ja darauf an wie mensch die „Freiraumprojekte“ füllt. Genau! Darauf kommt es an, aber genau darum geht es diesem Artikel nicht. Darum ging es sehr selten, wenn in letzter Zeit von Freiraum und Freiraumbewegung die Rede war. Und wenn wir darüber reden, dann darüber, was in den Häusern passiert, z.B. ob mensch sich wirklich vom Familienministerium fördern lassen sollte (kein anderes Haus in Potsdam hat es wirklich einen Furz interessiert, wenn sie von der CDU angegriffen worden sind und das sag ich nicht aus Häme, sondern weil ich das gesamte Finanzierungskonzept des InWoLe schon vorher für einen Fehler hielt). Wollen wir wirklich die ganze Zeit mit so einem Wichtigtuer wie Dirk Hader zu tun haben?
Oder was eben nicht passiert. Reicht es uns wirklich einfach „nur“ in einer Groß-WG zu leben und ne fette Baustelle am Arsch zu haben?
War das spannende an der Hausbesetzerbewegung nicht auch die Revolte, das Illegale, der zumindest gefühlte und auch nur zeitweise Bruch mit allem, mit Eigentum, Arbeit(szwang), Mainstream-Kultur und Familienstrukturen? War es es nicht auch das, weswegen die Bewegung so groß wurde?
Wo verlaufen die Brüche heute, wenn nicht mehr an den Häusern entlang? Nutzen wir unser Zusammensein in den (Rest-) Häusern um zu kämpfen oder haben wir uns längst aufs schöner Wohnen zurückgezogen?

Hallo, Staat! Hallo, Kapitalismus!

„Freiraumbürger“ ist auch nur ein anderes Wort für Staatsbürger! Das Schild „Ende des demokratischen Sektors“ ist schon lange abgeschraubt. Sich auch noch selbst in einer solchen Kategorie wie „Bürger“ zu denken, offenbart eine Fixierung auf den Staat, die Angst macht. Aber klar, wer vom Familienministerium gefördert werden will, muss sich wohl deren Sprache bedienen. Und schneller als gedacht quatscht mensch mit einer solchen Rhetorik in einer vermeintlich linksradikalen Zeitung.
Forderungen nach einer steuerlichen Absetzbarkeit der eigenen, als Politik verpackten, Sozialarbeit oder Förderung durch die Stadt sind das Gegenteil von emanzipativer, ganz zu schweigen von revolutionärer Politik. Wollen wir daran arbeiten, dass wir unsere Politik (schlecht) bezahlt kriegen oder den Zwang, der Tätigkeit zur Lohnarbeit macht, mal grundsätzlich angehen? Dafür müsste ´ne radikale Linke allerdings mal aufhören an ihren Nischen zu basteln, die dann oft genug noch als Prototyp der Modernisierung des Kapitalismus dienen. Flache Hierarchien, kollektiv verantwortliche Gruppenarbeit, Eigenverantwortlichkeit, Selbständigkeit, die schöne neue prekäre Arbeitswelt ist links!

Und natürlich sind wir alle nicht frei von Alimentierungen durch den Staat. Dies war immer der sozialdemokratische Weg, soziale Bewegungen zu spalten, einzubeziehen, ruhig zu stellen. Das reicht von der Arbeitslosenversicherung bis zu den legalisierten Häusern. Der Unterschied ist die Wertung: Sagen wir, das wurde dem Staat abgerungen oder waren das Mechanismen um Konflikte zu deckeln und die Leute wieder auf den Boden der kapitalistischen Grundordnung zu holen?
Das erste war einer der Preise dafür, das sich die Sozialdemokratie an der blutigen Niederschlagung der (entstehenden) Räterepubliken beteiligt, zweiteres war der Preis dafür, dass eine sterbende Bewegung in ihren Rückzugsgefechten nicht andauernd die Innenstadt zerlegt. Beides sind Ergebnisse verschiedenster Formen des Klassenkampfs, und zwar der unversöhnlichen Art, beide waren zwar Ergebnisse, aber nicht die Ziele.

Wenn wir anfangen unsere Forderungen von Anfang an Papa Staat zu richten, nehmen wir den Kämpfen von Anfang an ihre emanzipative, revolutionäre Spitze, ja überhaupt die darin enthaltene Möglichkeit die ganze Scheiß doch mal umzustürzen. Am Ende muss jede_r allein zum Amt.
Dass wir mit der Bettelei an den Staat im sozialdemokratischen Sumpf Potsdam, wo mensch auch immer noch ein bisschen Angst vor einem Wiederaufflammen der alten Zeiten hat, offene Türen einrennen, geschenkt. Im Zweifelsfall springt da auch mal ein „Freiland“ heraus. Ein Erfolg, klar, irgendwie schon. Ein Bruch mit den Verhältnissen? Nicht ansatzweise.

Die Frage ist: Haben wir schon in unseren Träumen kapituliert, und lassen uns auf das sozialdemokratische Projekt ein? Der zitierte „Hallo Potsdam“-Artikel hat sogar die Chuzpe uns das als „Utopie“ zu verkaufen. Wenn das Utopie ist, wie sieht dann reale Politik aus!?!
Argumentieren wir nicht mal mehr mit den Sachzwängen, um diese scheiß Kompromisse vor uns selbst zu rechtfertigen? Ein Teil der „Szene“ hat sich schon voll und ganz auf die Monopolylogik eingelassen und füllt damit eine ganze Zeitung. Aber noch weniger als von Kreuzberg aus die Welt gesquatet wurde („Squat the world“), wird von Freiburg aus die Welt kollektiviert werden.

Fangen wir doch mal ein neues Spiel an. Soziale Bewegungen schaffen sich ihre Freiräume, aber Infrastruktur schafft keine neuen Bewegungen.
Lassen wir die alten Kategorien, die elende Verlängerung einer toten Bewegung, doch endlich hinter uns. Angesichts einer weltweiten Krise der Kapitalverwertung auf dem vorläufigen Höhepunkt, deren Folgen wir seit 30 Jahren bezahlen, sollten wir anfangen alles neu zu denken.
Warum haben sich nicht sofort nach der Bekanntgabe des aktuellen Sparpakets die „HartzIV-Eltern“ aus der (Polit?-) Szene zu Wort gemeldet und angefangen den Widerstand zu organisieren? Wir haben es mit dem größten Verarmungsprogramm seit den HartzIV-Reformen zu tun. An der fehlenden Infrastruktur kann es nicht liegen.
Denken wir ernsthaft darüber nach, wie wir anfangen diese ganzen scheiß Verhältnisse umstürzen. Wenn das in den Wohnprojekten oder auch im Spartakus passieren würde, saniere ich auch noch weitere 10 Jahre die vorhandenen Bauruinen.

P.S.: Nur so zur Einordnung: Die meisten Fragen stelle ich mir aus gegebenen Anlass selbst.

Zum Gedenken an die Spanienkämpfer_innen

von h.a.

In Erinnerung an die Potsdamer Spanienkämpfer_innen soll ein Gedenkstein wieder würdevoll hergerichtet werden, denn in der Potsdamer Erinnerungs- und Gedenkkultur haben jene Antifaschist_innen heute keinen festen Platz mehr. Im Folgenden werden einige dieser Antifaschist_innen näher beschrieben und die Idee zur Instandsetzung des Gedenksteins skizziert.

Im Jahr 1936 erfolgte der Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs, kurz nach dem die linke Volksfront die Wahlen gewonnen hatte. Im Juli führt eine Machtclique aus Faschisten, Monarchisten, Kirche und Militärs den Putsch gegen die Republik von Marokko aus mit deutscher und italienischer Unterstützung durch. Obwohl die spanische Republik politisch allein gelassen wurde, organisierte sich zuerst in den revolutionären Zentren des Landes der Widerstand, der sich bald zu einer weltweiten internationalen Solidarität antifaschistischer Kräfte entwickelte. Mexiko und die Sowjetunion lieferten Waffen und aus vielen Ländern kamen Freiwillige, um an der Seite der Republik gegen die Faschisten zu kämpfen.
1937 kommt es innerhalb der Volksfront zu schwerwiegenden politischen Differenzen, die sich moralisch und militärisch nachteilig auswirken, während die Putschisten immer mehr Land erobern können. Zwar kann die spanische Republik kurzfristige militärische Erfolge verbuchen, doch gegen die Übermacht der Faschisten gibt es kaum eine Chance. 1938 kommt es nach Druck aus dem „Komitee für Nichteinmischung in die Angelegenheiten Spaniens“, dem auch das faschistische Deutschland angehört, zum Abzug der Internationalen Brigaden, in denen tausende Antifaschist_innen kämpfen. Die deutschen und italienischen Truppen kämpfen aber weiterhin an der Seite Francos. Die Regierung der Republik zieht sich mehr und mehr zurück und im Frühjahr 1939 fällt Katalonien. Nach fast drei Jahren Krieg ist die spanische Republik besiegt und Franco errichtet seine Diktatur.

Auf verschiedenen, meist langen und oft auch gefährlichen Wegen kommen die Antifaschist_innen aus allen Ländern, um für die spanische Republik und gegen den Faschismus zu kämpfen. Neben Frankreich, England, Skandinavien, den Vereinigten Staaten von Amerika, Polen Jugoslawien und Österreich sind auch tausende Freiwillige aus Deutschland dabei, darunter auch einige, welche in Potsdam bzw. Nowawes leben. Mit Walter Junker wurde bereits in der Potsdamned Nr.6 ein biografischer Abriss über eine Person gegeben, die nicht nur in Nowawes (dem heutigen Babelsberg) lebte, sondern hier auch die politische Arbeit durchführte bis er in Spanien an der Ebrofront sein Leben verlor.

Auch Paul Kühne kämpft als Potsdamer bzw. korrekterweise als Nowaweser in Spanien. Geboren wird er am 16. September 1908 in Nowawes und nach der Schulzeit in der Volksschule macht er im Werk von Orenstein und Koppel eine Ausbildung. Er tritt der „Roten Jungfront“ und im Jahr 1929 schließlich der KPD bei. Militärische Erfahrungen sammelt er im Roten Frontkämpferbund (RFB) als Zugführer und nach deren Verbot bei den nächtlichen Übungen in den Ravensbergen. Paul Kühne gehört zu den ersten Personen, die von den Nazis 1933 verhaftet werden. Erst im Gefängnis und später in den Emslandlagern inhaftiert wird er erst wieder 1935 entlassen. Als Taxifahrer hat er eine wichtige Funktion bei illegalen Treffen in Potsdam und Umgebung. Um seiner Verhaftung zu entgehen flieht er wie andere Antifaschist_innen in die ČSR, um von dort mit falschem Pass über Österreich, die Schweiz und Frankreich nach Spanien zu gehen. Hier wird er unter anderem als Fahrer eines Panzerspähwagens in der XV. Internationalen Brigade und später als Chef einer Sanitätskraftwagenkolonne eingesetzt. Unmittelbar nach dem Krieg ist er in Frankreich interniert und wird 1941 an die Gestapo ausgeliefert. Nach einer Haftzeit erhält Paul Kühne den Befehl zum Dienst in der sogenannten „Bewährungseinheit“ 999. An der Ostfront fehlt seit dem Januar 1945 jegliche Nachricht von ihm, vermutlich wird er beim Überlaufen zur Roten Armee erschossen.

Kurt Laube ist eine weitere Person, die in Spanien auf Seiten der Republik kämpft. 1905 in Rathenow geboren zieht er nach Nowawes und tritt zuerst dem KJVD (Kommunistische Jugendverband Deutschlands) und im Jahr 1930 der KPD bei. Als Mitglied im RFB organisiert er mit der Machtübernahme der Nazis 1933 Arbeiterdemonstrationen und arbeitet schließlich politisch in Nowawes und Berlin illegal weiter. Nach der Emigration in die ČSR meldet er sich freiwillig, um in Spanien gegen die Faschisten zu kämpfen. Eingesetzt wird er als Kommissar der 2. Kompanie in einer Batterie im Bataillon „Edgar André“, welches der XI. Internationalen Brigade zugeordnet ist. Am Ebro trifft er auch auf seine Nowaweser Genossen Walter Junker und Kurt Vogel. Auch Kurt Laube wird nach dem Ende des Krieges unter anderem in Gurs (Frankreich) interniert und durch die Vichy-Regierung an Nazi-Deutschland überstellt. In Potsdam wird er zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt, die er im Zuchthaus in Brandenburg zubringt. Obwohl er in ein Strafbataillon der Wehrmacht zwangsrekrutiert wird, gelingt ihm die Flucht zur amerikanischen Armee. Nach der Befreiung im Jahr 1945 übernimmt er politische Funktionen in der KPD, später in der SED und in der VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes) und arbeitet als Redakteur der DEFA-Betriebszeitung. 1987 stribt Kurt Laube in Potsdam.

Vierte Person im Bunde der Nowaweser Spanienkämpfer ist Kurt Vogel. Geboren wird er am 03. Februar 1910 in Potsdam. In den Waffenwerken Spandau lernt er den Beruf des Rohrschlossers. Er tritt 1926 dem KJVD und 1928 der KPD und dem RFB bei, außerdem ist er Vorsitzender der Roten Hilfe in Nowawes. Schon 1932 wird er wegen der RFB-Tätigkeit verhaftet (der RFB ist seit 1929 verboten) und wird im Jahr 1933 von den Nazis im KZ Lichtenburg in „Schutzhaft“ genommen. 1936 flüchtet er in die ČSR und folgt dem antifaschistischen Kampf im November 1936 nach Spanien. Kurt Vogel, auch bekannt unter dem Namen „Roter Waffenmeister“, vollzieht seinen Dienst in der XI. Internationalen Brigade als Kapitän und Operationschef in verschiedenen Bataillonen (unter anderem „Thälmann“, „Edgar André“ und „12. Februar“). Bei seinen Diensten an den unterschiedlichen Fronten wird er mehrmals verwundet. 1939 kommt er in mehrere Internierungslager, wird 1941 an Deutschland ausgeliefert und zu einer Haftzeit im Zuchthaus Brandenburg verurteilt. 1943 wird Kurt Vogel in das KZ Buchenwald überstellt, wo er am bewaffneten Aufstand teilnimmt. Nach 1945 wird er Polizeipräsident, Mitglied der SED, studiert in der UDSSR und wird Oberst bei der NVA.

Neben den gerade exemplarisch ausgewählten Freiwilligen aus Potsdam bzw. Nowawes gab es auch noch diejenigen Personen, die erst nach 1945 in Potsdam lebten und wirkten. Hierunter befinden sich durchaus bekannte Persönlichkeiten wie zum Beispiel Eduard Claudius, Hans Marchwitza oder Antonia Stemmler.
Eduard Claudius wird in Gelsenkirchen geboren, erlernt das Maurerhandwerk und wird bereits mit 16 Jahren Gewerkschaftsfunktionär. Ab 1932 ist er Mitglied der KPD, emigriert 1934 in die Schweiz, geht 1936 nach Spanien und kämpft dort in den Internationalen Brigaden, wird schließlich verhaftet und bis 1945 im Zuchthaus Witzwil (Schweiz) inhaftiert. Im Jahr 1947 siedelt er nach Potsdam über und wird unter anderem neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit Diplomat für die DDR in Syrien und Vietnam. Er stirbt 1976 in Potsdam.
Ebenfalls aus dem Ruhrgebiet kommt Hans Marchwitza, wenn auch in Oberschlesien (Polen) geboren. Er ist Bergarbeiter und musste bereits im Ersten Weltkrieg seinen Kriegsdienst absolvieren. Über die USPD kommt er 1920 zur KPD und beteiligt sich an Aktionen der Roten Ruhrarmee. Über die Schweiz und Frankreich geht er als Offizier zu den Internationalen Brigaden, nach dem Krieg emigriert er unter anderem in die USA. Er kehrt nach der Befreiung zurück und zieht im Jahr 1947 nach Potsdam-Babelsberg. Hans Marchwitza wird als Arbeiterschriftsteller mit diversen Preisen ausgezeichnet.
Antonia Stemmler, 1892 in der Schweiz geboren, kommt bereits früh nach Berlin und führt eine Ausbildung zur Lehrerin durch. Schon in den Jahren 1929 bis 1931 arbeitet sie als Sekretärin in einem Verlagshaus in Spanien. Als Mitglied der KPD flieht sie nach Prag, wird verhaftet, das Verfahren muss jedoch eingestellt werden. In den Internationalen Brigaden führt sie ihren Dienst in verschiedenen Hospitälern aus. Wie viele andere auch wird sie später in Frankreich interniert, an die Gestapo ausgeliefert und in die KZ Ravensbrück und Auschwitz verschleppt. Nach Kriegsende übernimmt sie verschiedene Funktionen beim staatlichen und gesellschaftlichen Wiederaufbau in Potsdam und Umgebung. 1976 wird Antonia Stemmler in Potsdam beigesetzt.

Das Ausmaß der deutschen Unterstützung und Beteiligung am Putsch und bei der Errichtung einer faschistischen Diktatur auf spanischem Boden am Vorabend des Zweiten Weltkriegs wird auch heute noch verdrängt bzw. wird dem in der Öffentlichkeit kaum Bedeutung beigemessen. Wenig Beachtung finden auch die Freiwilligen, die aus politischer und humanitärer Überzeugung den Weg nach Spanien aufnahmen, um dort solidarisch mit Antifaschist_innen aus aller Welt gegen den Faschismus und für ein freies Spanien zu kämpfen. Während es in DDR, getreu dem politischen Geschichtsbild, allgemein üblich war, Straßen, Schulen und Einrichtungen nach Spanienkämpfern zu benennen und Gedenkveranstaltungen durchzuführen, ist mit der Wiedervereinigung davon nicht mehr viel übrig geblieben. So gebührt ihnen heute, wie im übrigen während des gesamten Zeitraumes der alten BRD, keine Anerkennung und Ehrung mehr.

In Potsdam gibt es heute nur noch einen Standort, der als Erinnerungs- und Gedenkort für die Spanienkämpfer fungiert. Ein Denkmal für den gefallenen Walter Junker wurde im Zuge der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes am Bahnhof Griebnitzsee von der Deutschen Bahn als Eigentümer entfernt. So befindet sich nur noch am Treffpunkt Freizeit ein Gedenkstein, welcher als solcher aber nicht mehr zu erkennen ist. Dieser Gedenkstein für die deutschen Interbrigadisten wurde am 04.10.1969 anlässlich des 33. Jahrestages der Gründung der Internationalen Brigaden vor dem ehemaligen „Pionierhaus“ eingeweiht. Ein Relief, welches dem Symbol der Internationalen Brigaden angelehnt ist und welches sich am Gedenkstein befunden hatte, fehlt jedoch seit einigen Jahren.

Da die Stadt Potsdam an dem Gedenkstein scheinbar kein Interesse hat (siehe Kleine Anfrage von der Fraktion Die Andere 09/SVV/0743) gibt es nun von der Ortsvereinigung VVN-BdA Potsdam die Initiative, den Gedenkstein wieder originalgetreu und ehrwürdig herzurichten. So findet am Vormittag des 28.07. eine Gedenkveranstaltung an diesem Platz statt. Das Datum wurde in Erinnerung an Walter Junker ausgewählt, der am 28.07.1938 bei der Ebroschlacht gefallen ist. Am 27.11. diesen Jahres wäre er 100 Jahre alt geworden.

Quellen:
“Besonders jetzt tu deine Pflicht!“ – Kurze biografische Darstellungen über antifaschistische Widerstandskämpfer, die in der Stadt und im Kreis Potsdam lebten und wirkten; Herausgeber: Kreiskomitee Potsdam der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR, 1988

Mitgestalter der Geschichte – Wegbereiter unserer Zeit; Herausgeber: Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung in der Kreisleitung der SED Potsdam, 1980

Solidaridad Pasaremos – Erlebnisberichte von Interbrigadisten des Bezirkes Potsdam; Herausgeber: Bezirkskomitee Potsdam der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR, 1981

Potsdamned# 11 ist erschienen!

Tada! Diese Ausgabe hat ein bissel länger gebraucht. Nun ist sie da. Dafür jut.

Titelbild:

Inhalt:

Für die nächste Ausgabe braucht es Artikel, Leser_innenbriefe, Kritik, Comix, Gemälde und ähh, Geld. Die Förderung ist mit der 10ten Ausgabe ausgelaufen und wir sitzen auf dem Trockenen. Wer Ideen und/oder direkt Moneten bzw. Arbeitskraft (z.b. für den Druck) hat, bitte melden.

Bis denne,
die Potsdamned! Crew