#04


Editorial: Ausgabe #4

Cover #04Herzlichen Glückwunsch!!!!!

Hiermit hältst du die 4. Ausgabe der Potsdamer Mitmach-Zeitung „Potsdamned“ in den Händen. Und dieses Heft ist wirklich eine gute Wahl. Diese Ausgabe verfügt über ein exquisites Extra: einen Papierbogen vollgepackt mit regelmäßigen Terminen zum Heraustrennen und an die Wand hängen!

Doch damit nicht genug: Wir können eine neue, interessante Entwicklung verzeichnen: Es gehen Texte bei uns ein, die inhaltlich auf vorher in Potsdamned erschienene Texte eingehen. Dies ist nicht nur in der bisherigen Geschichte dieses Mediums einmalig. Es zeigt auch, dass es da was zu diskutieren gibt. In Anbetracht dieser ermutigenden Entwicklung schauen wir nun noch viel optimistischer in die Zukunft. Bis dahin aber kümmern wir uns weiter um die alltäglich anfallenden Sorgen, etwa Weltfrieden und Revolution.

Kommen wir nun zu einem etwas weniger schönen Thema: die Finanzierung des Projektes. Bisher war es uns möglich den Druck der „Potsdamned“ über den AStA der Uni Potsdam zu finanzieren. Leider ist’s nun aus mit der AStA-Kohle. Neue Förder-Anträge sind bereits gestellt, jedoch gibt es im Moment noch keine Zusagen.
Das heißt: wir brauchen Geld! Und hier kommst unser populärer Mitmach-Ansatz ins Spiel: Auch DU darfst uns Geld geben. Wir freuen uns sowohl über kleinere wie größere Geldsummen, außerdem über Tipps, wo wir diese herbekommen und natürlich auch über Angebote, mit uns gemeinsam eine Soliparty zu veranstalten.

Wie immer freuen wir uns natürlich auch über pünktliche Beiträge für die nächste Ausgabe. Redaktionsschluss ist der 15. April 2009.

Alles an:
potsdamned@riseup.net
oder
potsdamned, c/o konte[:x]t, Hermann-Elflein-Str. 32, 14467 Potsdam
pgp: www.inforiot.de/material/potsdamned.asc

So long,

das potsdamned-Redaktionsteam

Skandal im Forstbezirk

…eine fragmentarische Annäherung an das Thema Sexarbeit / Prostitution…

von Zeh.

Seit Ende letzten Jahres tauchen immer wieder Meldungen über den Straßenstrich an der B2 zwischen Potsdam und Michendorf auf, welcher seit letztem Sommer existiert und seitdem tendenziell anwächst. Sven Petke, CDU-MdL und bekannt durch die Email-Affäre, welche ihn 2006 das Amt als Generalsekretär der CDU Brandenburg kostete, fordert die Einrichtung eines „Sperrbezirks“. Prostitution ist in Deutschland zwar generell legal und die überwiegend bulgarischen Prostituierten an der B2 verfügen nach Polizeiaussagen alle über gültige Reisepässe und Gesundheitszeugnisse, aber bei besonderer „Gefährdung des öffentlichen Anstandes und zum Schutz der Jugend“ können Sexarbeiter_innen (1) in ihrer Arbeitsplatzwahl eingeschränkt werden. „Es ist nicht hinnehmbar, dass in unmittelbarer Nähe zu einer Schule, einem Friedhof und dem Landtag offene Prostitution betrieben wird. Das ist ein fatales Zeichen für die Moral und Anstand.“ (2) tönt Petke und scheint damit auch vielen Bürger_innen aus der Seele zu sprechen, wie Leser_innenkommentare und Lokal-Fernseh-Umfragen belegen. Doch was ist nun eigentlich so anstößig am angeblich „ältesten Gewerbe der Welt“?
Würden die Frauen am Straßenrand gesammelte Pilze verkaufen, wäre dies wohl nicht anstößig. Der Hund liegt sprichwörtlich dort begraben, wo Sexualität und Geld zusammengebracht werden und körperliche Zuwendung zur Ware erklärt wird. Allerdings sind die Grenzen hier auch schwammig. Massagen für Geld anzubieten ist nach gängigen Moralvorstellungen eine normale Dienstleitung. Wie es mit Stripper_innen, Erotik-Magazin-Modells und Table-Dancer_innen aussieht ist schon weniger eindeutig. Häufig wird argumentiert, Prostituierte/Sex-Arbeiter_innen würden „ihren Körper“ verkaufen, gemeint ist damit, dass sie auch gleich ihre Würde und Selbstachtung mit über den imaginären Ladentisch reichen. Diese Argumentation funktioniert nur solange, wie Sexualität als eine Handlung verstanden wird, die „intim“ oder „persönlich“ ist und die engen körperlichen Grenzen mit Respekt und Würde verbunden sind. Denn im Grunde verkauft jeder Mensch, der_die für Lohn arbeiten geht seinen_ihren Körper. Auch der Chef bei Kaufland „befiehlt“ seinen Angestellten, wann sie wo zu sein und was sie dann dort zu tun haben.
Was als intim oder persönlich, was als herabwürdigend und demütigend empfunden wird, kann aber sehr individuell sein. Kann nicht manches Gespräch intimer sein als Sex, oder manche „normalen“ Arbeitsbedingungen als entwürdigend empfunden werden? Ist nicht das ständige Kreisen um den Job durch Schichtarbeit oder durch den hohen Druck vom Amt bei Arbeitslosigkeit, ist nicht der Eingriff in die Gesundheit durch schwere körperliche Arbeit und deren psychische Bewältigung in Fabriken oder im Pflegebereich zum Beispiel ebenso massive Beeinträchtigung des Menschen?
Die Verbindung von Sex mit Würde und Selbstachtung ist untrennbar an die patriarchale Kultur unserer Gesellschaft gebunden. Nicht umsonst muss auch heute eine „anständige“ Frau aufpassen an wen sie sich „hergibt“ und ist bei häufigem Partner_innenwechsel schnell als „Schlampe“ verschrieen. Diesem Bild wohnt inne, dass frau beim Sex etwas von sich „verschenkt“, abgibt, verliert, etwas was (im Normalfall) der Mann ihr damit nimmt, sich aneignet, sich ihre Person aneignet. (3) Sexualität trägt hier immer eine Note von Unterdrückung, von Herrschaft oder „Eroberung“. Sexualität ist exklusiv und mit bestimmten weiteren Ansprüchen und Verhältnissen verbunden. Auch der klassisch-bürgerliche Feminismus ala Alice Schwarzer schätzt demnach Prostitution und Sexarbeit als grundsätzlich bekämpfenswert ein, denn in ihr sieht sie die totale Unterdrückung der Frau und Speerspitze des Patriarchats. In dieser Argumentation kauft der Freier sich nicht nur die sexuellen Dienstleistungen, sondern untrennbar damit die Macht über die Prostituierte. Patriarchale Macht, die er als Mann über Frauen sowieso hat, fällt zusammen mit der ebenfalls bei ihm liegenden ökonomischen Macht des Geldes. Zudem werde die allgemeine Rolle der Frau in der patriarchalen Gesellschaft als mehr oder minder frei verfügbares Objekt hier absolut.
Andere (ex-prostituierte) Frauenrechtler_innen wie Costa Jose wehren sich hingegen gegen eine pauschale „Veropferung“ von Sexarbeiter_innen und sehen in der Prostitution grundsätzlich einen Handel zwischen zwei mündigen und selbstbestimmten Menschen. Sie geht sogar soweit zu sagen: “Dass Frauen für Sex Geld nehmen, ist eher eine Rebellion gegen das Patriarchat, das Männer ja uneingeschränkten Zugang zu Sex sichern möchte.“ (4) Schwarzers Position sieht sie als „Oberschichten-Feminismus“, der ignoriert, dass Menschen und damit immer auch Frauen, schon lange und auch solange die Gesellschaftsordnung eine kapitalistische ist, gezwungen sind und sein werden, ihre Arbeitskraft zu verkaufen und Prostitution vielfach als legitimes Mittel angesehen wird, seinen_ihren Unterhalt zu verdienen. Desweiteren gelte es dem Bild zu widersprechen, dass die Prostituierte per se eine „gescheiterte Existenz“, drogenabhängig, hochverschuldet, von einem Zuhälter abhängig oder gleich zwangsprostituiert sei. Interessant ist hier ein Zitat einer Aktivistin des „Hydra e.V.“, welcher sich für die Rechte von Prostituierten und Sexarbeiter_innen einsetzt. Angesprochen auf einen ähnlichen Verein, welcher sich um ostasiatische Opfer von Menschenhandel kümmert, sagt sie: Wir sagen: Prostitution ist ein Vertrag zwischen zwei erwachsenen Menschen, die einvernehmlich etwas entscheiden – freiwillig. Das, worauf sich Ban Ying (Beratungsstelle für ostasiatische Frauen und Mädchen, Anm. d. A.) konzentriert, ist Gewalt gegen Frauen, Nötigung etc., aber es ist keine Prostitution. Es gibt auch keine Zwangsküchenmädchen. Deswegen finde ich es relativ schwierig, den Begriff Zwangsprostitution zu benutzen, weil er aufgrund des zweiten Wortes immer mit dem in Verbindung gebracht wird, was wir mit Prostitution bezeichnen.“ (5) Costa Jose zu ähnlichem Thema: „Es gibt Prostituierte, die Opfer sind. Psychisch Kranke, Drogenkranke. Es gibt schreckliche Schicksale von Zwangsprostituierten. Aber es gibt auch noch viele andere Gruppen. Frauen, die aus materiellen Interessen diesen Beruf ergreifen, Studentinnen mit Nebenjob. Oder Frauen, die es einfach hochinteressant finden, verschiedene Sexualpraktiken auszuprobieren.“
Aus dieser Perspektive ist Prostitution und Sexarbeit eine Arbeit wie jede andere auch, die deshalb gleiche Rechte und Anerkennung verdient, die Vor- und Nachteile hat und unter guten und unter grausamen Bedingungen ausgeübt wird (was eben auch für alle möglichen anderen Arbeiten gilt). Dass es sich bei der Arbeit um sexuelle Handlungen handelt, spielt in dieser Position nur für die_denjenige_n eine Rolle, der_die sich diesen Job wählt und eben entscheidet ob er_sie sich dazu geeignet sieht oder nicht, so wie andere entscheiden, ob sie sich vorstellen können kellnern zu gehen oder nicht (sogenannte Zwangs“prostitution“ aus oben erwähntem Argument nicht miteinbezogen).
Dagegen spricht sich z.B Ingrid Strobl (feministische Buchautorin und ehemalige Emma-Redakteurin) aus: „Den Begriff Sexarbeit finde ich verharmlosend. Er suggeriert, Prostitution sei eine Arbeit wie jede andere auch. Das ist sie aber nicht. Die Frau verkauft ihren Körper und damit ein Stück von sich selbst. Das gängige Argument, mit Prostitution verdiene eine Frau in kurzer Zeit viel mehr Geld, als wenn sie für einen Billiglohn putzt, kellnert oder im Frisiersalon steht, verkennt die konkrete Realität. Es ist etwas völlig anderes, ob ich einen Boden wische oder jemandem die Haare schneide, oder ob ich fremde Penisse in mich eindringen lasse und in den Mund nehme. Der Mensch ist eine Einheit aus Körper und Geist. Was mit dem Körper geschieht, hat immer Auswirkungen auf den Geist, die Gefühle, das Selbstverständnis.“ (6)
Fakt ist, dass Sexualität (heute) nicht „unschuldig“ ist, nicht einfach losgelöst vom gesellschaftlichen Kontext existiert und für manche eben das Selbstverständlichste der Welt, für andere etwas Intimes ist und jede_r das für sich selbst entscheidet. Das zu behaupten, hieße in seiner Konsequenz auch die Bedeutung von sexuellen Übergriffen, sexualisierter Gewalt und Vergewaltigungen zu relativieren. Sexualität ist voll von Geschlechterrollen-Stereotypen und Unterdrückungsverhältnissen. Eine freie Sexualität kann es also (momentan) nicht geben. Unsere Sexualität spiegelt immer unsere gesellschaftlichen Verhältnisse wieder. In einer kapitalistischen Gesellschaft, ist sie also – wie so gut wie alles – auch eine Ware. Spannend scheint es daher auch sich das Feld von seiten der Konsument_innen, der Freier_innen anzuschauen. (7)
Die Initiative „freiersein“ geht davon aus, dass 20-30% aller sexuell aktiven männlichen Bundesbürger im Laufe ihres Lebens das Angebot von Sexarbeiter_innen nutzen, Hydra e.V. sogar von 75%. Die stark variierenden Zahlen sind wahrscheinlich auf die Schwierigkeit des zu erforschenden Feldes zurückzuführen und daher immer auch eine Interpretationsfrage.
Es ist aber davon auszugehen, dass es nicht DEN Typ des Freiers gibt, sondern viele verschiedene Charakteristika und Motive. So sagen „freiersein“: „Freier sind Männer aus allen Bevölkerungsschichten und allen Altersstufen, verheiratet wie unverheiratet. Sie werden also offensichtlich und fälschlicherweise als Randgruppe angesehen und ausgegrenzt.“
Cota Jose: „Die meisten kommen, weil sie gerade keine Partnerin haben. Es gibt die Abenteurer, die etwas ausprobieren wollen. Viele haben grundsätzlich ein Problem, eine Partnerin zu finden. Deshalb gibt es auch zum Beispiel Sexualassistenten für Behinderte.“
Sabine Grenz, Autorin des Buches „(Un-)heimliche Lust. Über den Konsum sexueller Dienstleistungen“, kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Sie meint, dass viele mehr als den reinen Geschlechtsverkehr suchen, sondern es ihnen um Zuwendung, Anerkennung und menschliche Nähe gehe. Allerdings resultieren diese Ergebnisse aus direkten Befragungen von Freiern. Das bedeutet, dass vielleicht einige eher sozial erwünschte Antworten gaben, als ihre „wahre“ Motivation (vorausgesetzt diese ist den Befragten selbst immer bewusst) preiszugeben. In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung heißt es: „Das Bild vom Freiers als Normalo, für den die Prostituierte eine Art Sex-Therapeutin ist, gerät tatsächlich ins Wanken, sobald man einen Blick ins Internet wirft. Im anonymen Schutz des World Wide Web äußern sich viele Prostitutionskunden ganz anders als im Gespräch mit einem Wissenschaftler. Manche Freier bezeichnen Frauen im Netz beispielsweise derb als „Material“. Andere schildern explizite Unterwerfungsfantasien, die entwürdigend und frauenverachtend sind. ´Solche Aussagen finden sich in meinen Interviews mit männlichen Prostitutionskunden nicht`, sagt Grenz.“ (8) In eben diesem Artikel werden andere internationale Stimmen der „Freierforschung“ zitiert, welche im Gegenteil einen ganz bestimmten Typ Mann zu DEM Freier erklären, welcher grundsätzlich Frauen erniedrigen und unterdrücken will. Diese Studien kommen allerdings auch aus Ländern, in welchen Prostitution recht strikten Verboten unterliegt und so kommt der Autor des Artikels zu dem Schluss: „Diese Einschätzungen sagen jedoch wenig über den Freier als solchen aus. Denn blickt man auf die politische Strömung in den Ländern, aus denen sie kommen, liegt der Verdacht nahe, dass sie vor allem eines sind: Politische Statements im rhetorischen Gewand der Psychologie oder Soziologie.“
Interessant sind Grenz`s Überlegungen zur Sexindustrie und ihrer Einbettung in die allgemeine Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft. Teil des kapitalistischen Systems ist es, einen ewigen Kreislauf aufrechtzuerhalten, welcher einerseits aus dem Versprechen alle Bedürfnisse käuflich befriedigen zu können und andererseits aus der permanenten Neu-Schaffung von Bedürfnissen besteht. „Diese Beobachtungen zeigen, wie die Männer selbst zu Objekten der Sexindustrie werden, aber auch, wie sie selbst zu dieser Entwicklung beitragen. Es ist eine gegenseitige Dynamik im Spiel: Einerseits verspricht die Sexindustrie, das perfekte sexuelle Erlebnis sei jederzeit käuflich. Andererseits entwickeln die Freier immer neue Fantasien, wie dies auszusehen hat.“ (9)
Das führt zu einer massiven Ausweitung des Sex-Arbeitsmarktes um neue Spielarten und Nischen, aber auch zu erhöhtem Konkurrenzdruck.
Über die Prostituierten an der B2 ist bekannt, dass sie vorher in Berlin arbeiteten und wegen starker „Standortkonkurrenz“ von dort nach Potsdam umgesiedelt sind und dass sie auch ohne Kondome arbeiten, was zwar wahrscheinlich für den Umsatz gut oder gar notwendig ist, aber sowohl sie als auch ihre Freier_innen in Gefahr bringt. Das berichten Sozialarbeiterinnen von „Bella Donna“, der Fachberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel im Land Brandenburg und der Aids-Hilfe Potsdam gegenüber der PNN (10). Weiter wird erwähnt, dass (entgegen Petkes Traum von der moralisch reinen Landeshauptstadt)die Frauen an der B2 längst nicht die einzigen Prostituierten in der Gegend sind: „In Potsdam gibt es sehr viel Wohnungsprostitution“.
Für ganz Deutschland geht die Initiative „freiersein“ (11) von folgenden Zahlen aus: „Die Dienstleistungen von Prostituierten werden täglich mindestens von 600.000 Männern in Anspruch genommen. Sie kaufen pro Jahr 180 bis 250 Millionen sexuelle Dienstleistungen von Prostituierten und geben dafür mindestens 6,5 Milliarden Euro aus. (…) Der Prostitution gehen in Deutschland – an einem Mittelwert der unterschiedlichen Einschätzungen orientiert – etwa 200.000 Personen nach (es gibt Schätzungen bis 400.000 Personen).“ Zu sehen ist also, das Prostitution ein Wirtschaftszweig ist, der grundsätzlich funktioniert wie alle anderen auch, mit eigener Werbeindustrie, mit Standort- und anderen Konkurrenzen, und mit daraus resultierendem Druck auf die Arbeitsverhältnisse und „Sicherheitsbestimmungen“ .
Prostitution ist der Schnittpunkt von Sexualität und Kapitalismus. Und damit aber auch weder moralischer noch unmoralischer als die alltägliche Verobjektivierung zumeist weiblicher Körper und der damit verbundenen Übergriffigkeit und die allgemeine Zwangssituation in der sich alle Menschen befinden, die genötigt sind ihre Arbeitskraft – und damit auch sich – für was auch immer auf den Markt zu werfen. Deshalb gilt es zuallererst die Rechte von Prostituierten als Arbeitende und als Menschen zu stärken, ob es sich nun um eine „Arbeit wie jede andere“ handelt oder nicht. Dazu gehört, dass mensch das Phänomen Prostitution nicht an die Randbezirke der Gesellschaft verbannt oder gar ganz verbietet. Der Zwang zu dieser Tätigkeit, sowie Ausbeutung, Gewalt und Misshandlungen sind selbstverständlich zu bekämpfen, was aber schwer mit Stigmatisierungen und Kriminalisierung einher gehen kann.
Der Pseudo-Moral vieler Potsdamer_innen, die sich in keiner Weise um die Situation der Frauen sorgen, sondern um das reine Bild der eigenen Gemeinde, und deren Interesse daher kaum über die eigene Ortsgrenze hinausreicht, gilt es somit in jedem Fall etwas entgegenzusetzen.
Zeh.
Hier nochmal alle verwendeten Links im Überblick:
http://www.reflect-online.org/magazin/archiv/ausgabe-13/
http://www.sueddeutsche.de/wissen/497/326361/text/
http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/die-freier-sind-auch-nackt/
www.freiersein.de
http://www.hydra-ev.org/

…sowie diverses aus der Lokalpresse

Vielen Dank an die kritischen Vor-lerser_innen!

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(1) Eine kleine Anmerkung zu den Begriffen „Prostitution“ und „Sexarbeit“: Der klassische Begriff der Prostitution wird von Einigen abgelehnt, bzw. der Begriff „Sexarbeit“ vorgezogen, da dieser deutlicher macht, dass es sich um eine Arbeit, wie z.B. Büroarbeit handelt. Genau aus diesem Punkt heraus, wird der Begriff von anderer Seite auch kritisiert (siehe Ingrid-Strobl-Zitat in diesem Text). Zum Teil wird der Begriff Sexarbeit auch genutzt um sich von sogenannter Zwangsprostitution abzugrenzen (d.h. Sexarbeit umfasst nur die Formen, in denen die_der Sexarbeiter_in freiwillig arbeitet, in Abgrenzung zur Prostitution, die auch unter Zwang stattfinden kann). Als Position gegen diese begriffliche Abgrenzung, kann aber das Zitat der Hydra e.V.-Aktivistin in diesem Artikel gesehen werden, die darauf hinweist, dass es auch keine Zwangsbüroarbeit gibt, und somit Zwangsprostitution keine Prostitution, sondern schlicht ein Verbrechen am Menschenrecht ist. In diesem Sinne würde sich die begriffliche Trennung von Sexarbeit und Prostitution auflösen. In diesem Artikel werden beide Begriffe gleichgesetzt verwendet.
(2) PNN, 17.12.08: Sperrbezirk für Prostituierte an der B2 – Behörden prüfen Antrag an die Landesregierung
(3) In diesem Artikel wird hauptsächlich von den gesellschaftlich „normalen“ Formen der Prostitution mit weiblichen Prostituierten und männlichen Freiern ausgegangen, was nicht heißt, dass andere Geschlechterverhältnisse in der Prostitution, Callboys und Strichjungs nicht ebenfalls einer Betrachtung wert wären, nur übersteigt dies die Kapazitäten dieses Textes. Zu empfehlen ist z.B. folgender Link zu dem Thema: subway-berlin.org
(4) http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/die-freier-sind-auch-nackt/
(5) http://www.reflect-online.org/magazin/archiv/ausgabe-13/interview-mit-hydra/
(6) http://www.reflect-online.org/magazin/archiv/ausgabe-13/debatte-prostitution-oder-sexarbeit/
(7) Literatur findet sich hier leider fast ausschließlich zur gesellschaftlich „normierten“ Form des männlichen Freiers.
(8) http://www.sueddeutsche.de/wissen/497/326361/text/
(9) http://www.reflect-online.org/magazin/archiv/ausgabe-13/sexuelle-freiheit-oder-verfuehrung-zum-konsum/
(10) Polizei: „Wir stehen ganz am Anfang“, 09.12.08
(11) www.freiersein.de

TRANS*KAFF hausmitteilung

oder: mal eben die eigene beherrschung verlieren!

von kassenttenrekorderkind

Walkman

play/pause >/II !

hart aufgeschlagen,mein
blaugefleckter transenarsch.
bin wieder fast
soweit, den schwung
zum aufstehen in eine rasante
kaffflucht umzusetzen.

nicht aufspulen!

die kaffkes kennen trans*
und queer
und mögen auch oft
die paar quotentranseärsche
hier.

zurückspulen!

zu den verbal-visuell
-zitaten:

- „ey man(n), hier ist für frauen.“

- „du mutant, du – du … – du ekelhftes zwitterwesen.“

- „glotz glotz.“

- „sag du doch mal was dazu, ist doch dein thema.“

- „wllst du nicht ’nen infoabend zu intersexualität, also transgender und so machen?“

- „glotz glotz.“

- „alter, du hörst dich an wie ‚n mädchen.“

- „schwuchtel.“

- „will es mir was sagen?“

- „glotz glotz.“

- „aber du machst das mit den hormonen nicht, oder?“

- „also ganz ehrlich, ja? – wenn die sich schon nicht mit dem abfinden können, was was sie von natur aus sind und sich zu einem mann umoperieren lassen, dann können sie doch danach nicht sagen, sie seien schwul! ich bitte dich. das kann ich nicht nachvollziehen. dann hätten sie sich das ganze zuvor doch echt sparen können. das will ich auch überhaupt nicht verstehen.“

- „aber an deinen augen erkennt man immer, dass du eine frau bist.“

- „glotz glotz.“

- „ich will mich auch mal so verkleiden.“

fast forward!

das TRANS*portierte KAFF
schnell ablaufen lassen.
von der rolle sein und denen
’nen bandsalat verpassen,
- mit solidarischen grüszen -
zusammen weiterdrehen am
rädchen der revolution und endlich
mal alle die eigene beHERRschung verlieren!