#02


Editorial: Ausgabe #2

Cover #02Liebe Leser_innen und/oder Autor_innen,

dies ist nun die 2. Ausgabe von Potsdamned!, der linken “Mach’s mit – Mach’s nach – Mach’s besser”-Zeitschrift für Potsdam. Und angesichts der Vielzahl und Vielfalt der Beiträge, die bei uns eingetroffen sind, sind wir recht optimistisch, dass es nicht die letzte gewesen ist. Auch für dieses Heft haben wir Autor_innen zu bestimmten Artikeln direkt angefragt. Der Großteil der Artikel ist allerdings aus Eigeninitiative bei uns eingetroffen. Wir sind nach wie vor offen, was die Art und den Inhalt der Artikel anbelangt, die bei uns ankommen. Ziemlich interessant finden wir inhaltliche Kontroversen. Intolerant sind wir gegenüber Texten, die diverse Unterdrückungsmechanismen reproduzieren. Dahingehend behalten wir uns “repressive” Maßnahmen vor, etwa, einen Text nicht abzudrucken oder einen kritischen Kommentar vornean zu stellen.

Noch ein paar “Regeln”, die eure Schreibmotivation allerdings nicht hemmen sollten:

Bitte beachtet, dass uns ein fester Redaktionsschluss sehr wichtig ist und dass wir uns freuen würden, wenn alle Beiträge bis dahin auch bei uns angekommen sind. Alles andere würde die Fertigstellung des Heftes unnötig kompliziert machen. Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe, die Ende Dezember erscheinen soll, ist der 7. Dezember.

In “Notfällen” könnt ihr uns noch kontaktieren und mitteilen, dass ihr minimal länger braucht. Beiträge, die ohne vorherige Absprache nach dem Redaktionsschluss bei uns eintreffen, werden wir zukünftig nicht mehr in die entsprechende Ausgabe übernehmen.
Wir würden uns außerdem freuen, wenn ihr zu euren Artikeln gleich passende Bilder (am besten in hoher Auflösung: 300dpi) mitschickt, sofern ihr eure Artikel bebildert haben wollt.
Wir halten diese Zeitung nicht dafür geeignet, einmalige Termine zu bewerben. Dafür empfehlen wir den Potsdamer Terminplaner “Der Kollektor” (derkollektor@gmx.de) und das Brandenburger alternative Webportal “Inforiot” (www.inforiot.de). Ausnahmen sind natürlich Termine, die in einem Artikel besprochen werden. Wir freuen uns allerdings über regelmäßige Termine und Adressen, damit wir unseren noch sehr spärlichen Adressteil und Stundenplan erweitern können.

Da das Konzept dieser Zeitschrift alles andere als starr und unflexibel ist, freuen wir uns auch jederzeit über Kritiken und Wünsche dahingehend, wie das “Konzept” modifiziert werden kann.

Am liebsten per E-Mail an:
potsdamned@riseup.net
(pgp-key: www.inforiot.de/material/potsdamned.asc).
Oder aber auch via Post oder Brieftaube an:

“Potsdamned!”
c/o konte[:x]t Potsdam
Hermann-Elflein-Straße 32
14467 Potsdam.


Viele Grüße und viel Spaß beim Schreiben!
das Potsdamned-Team

Freiräume in Potsdam

Es gibt Städte, wo richtig was los ist und es gibt Potsdam.

von Barb & J0pe

Freizeit hat geschlossen. So kann man die Situation in unserer Landeshauptstadt wohl am Besten auf den Punkt bringen. Gerade im letzten Jahr sind Dank steigender Mieten und der Kommerzialisierung von Plätzen die Freiräume für Jugendliche mehr und mehr beschnitten worden.

Es sind gerade diese Freiräume, die uns die Möglichkeit bieten uns frei zu entfalten. Orte wie Parks, Plätze oder der Jugendclub an der Ecke, der es dir ermöglicht, deine Freizeit kreativ und ohne Zwang zu genießen. Ein Platz, wo nicht die Schule bestimmt was du lernen sollst oder wo Eltern sagen, wann etwas gemacht wird. Nicht zu letzt sind es diese Freiräume in der Gesellschaft, in denen du nicht dem Konsumzwang folgen musst oder dich dem Mainstream anpassen sollst, sondern einfach mal „Du“ sein kannst.

Potsdam – ausgezeichnet als „die familienfreundlichste Stadt Deutschlands“, nach dem Prognos-Familienatlas von 2007, das jedoch gilt nur für Kinder. Anscheinend hat sich niemand die Situation dieser Kinder angeschaut, wenn sie älter werden. Die Plätze wo sich Jugendliche treffen können sind spärlich gesät. So zum Beispiel die Freundschaftsinsel, die bei Einbruch der Dunkelheit ihre Pforten schließt, oder andere Parks, wo es selbst untersagt ist sein Fahrrad zu schieben, und auch sonst sind Diskotheken und Clubs für Jugendliche bis 18 Jahren oder mit schmalen Geldbeutel so gut wie nicht vorhanden. Was bleibt, ist das Abhängen auf der Straße, in nahe gelegenen Einkaufszentren oder der Weg mit der S-Bahn nach Berlin.

In diesem Frühjahr musste auch der letzte Jugendclub der Innenstadt, das „S13″ dicht machen. Mit ihm verschwand auch das „Spartakus“. Und warum das Ganze? Die Miete in der Nähe des geplanten Stadtschlosses war für die Betreiber_Innen nicht mehr zu bezahlen. Mit großen Worten versprach unser Oberbürgermeister sich für einen Ersatz der Räume einzusetzen, passiert war nix, bis der Druck durch die Öffentlichkeit und den Betreiber_Innen des „Spartakus“ wuchs. Bis heute ist jedoch keine angemessene Alternative in Sicht.

Somit verkommt die Innenstadt immer mehr zu Museeum und Touristenattraktion. Eine Stadt lebt jedoch nicht nur von den Einnahmen, sondern auch von den Bürger_Innen, die dieses Stadtbild prägen, der Kultur, welche sie erschaffen und nicht allein von preußischen Prunkbauten. Der Kultur geht es jetzt wieder an den Kragen. Durch den Wegfall von Lindenpark und Waschhaus, fällt ein Stück Potsdam weg, wo es jungen Bands möglich war ihre ersten Schritte in die Musikwelt zu wagen und die Bretter die die Welt bedeuten zu erklimmen.

Doch erst Ende letzten Monats besetzten unabhängige, junge Menschen die ehemalige „Villa Wildwuchs“. Das Haus am Babelsberger Park wurde wiederbelebt. Dort finden nun Diavorträge, Infoabende, Lesungen sowie Konzerte oder Partys statt. Dieses Gebäude wurde von Menschen wiederbelebt, die keine Lust auf „preußisch Disneyland“ haben und nun ihre Bedürfnisse durch solche Aktionen nach außen tragen. Der Freiraum, welcher hier erobert wurde, könnte als Ort der Vernetzung verschiedenster Gruppen oder Initiativen stehen. Menschen soll hier die Möglichkeit geboten werden, Projekte zu starten die anderswo nicht möglich sind. Ein Ort fernab der gängigen Partykultur und Konsummeilen dieser Stadt.

Selber machen ist die Devise. Die Resonanz der letzten Tage zeigt, dass solch ein Freiraum für Soziokultur benötigt und genutzt wird. Selbstverwaltet, unkommerziell und autonom werden Projekte und Veranstaltungen organisiert und zum Erfolg geführt. Das seit Monaten leerstehende, sogar zum Abriss angedachte Gebäude und die dazugehörigen Grünflächen sind im Besitz der Stadt. Diese zog sich in der Diskussion der vergangenen Monate um fehlende (Frei-)Räume auf die Position zurück, dass es keinen kostengünstigen und geeigneten Standort in Potsdam für Jugendkultur gibt. Mit der Besetzung konnte das Gegenteil bewiesen werden. Das Gebäude wurde durch Eigeninitiative wieder nutzbar gemacht.
Täglich finden Arbeiten am Haus, im Garten oder Reparaturen auf dem Dach statt, um diesem Ort Charakter und Leben einzuhauchen. In den nächsten Monaten werden Aktionen und Veranstaltungen stattfinden. An der Havel ist nun ein Ort der lebendigen Kultur entstanden und dieser wird verteidigt. Doch muss es viele solcher Orte geben um eine Alternative
zur Konsumgesellschaft zu leben. Da reichen ein, zwei oder sogar drei einzelne Freiräume nicht aus.

Wir schaffen uns Freiraum und halten nicht mehr still, wenn die Stadt uns die Luft zum Atmen, ja die Möglichkeit einer freien Entfaltung und selbstständigen Entwicklung von Jugendkultur nimmt. Irgendwann hat die Geduld ein Ende. Wir lassen uns nicht mehr alles wegnehmen, denn auch wir gestalten Potsdam mit.Sicherlich erinnert sich der eine oder die andere an die 90er Jahre. Da wurde hier gezeigt, am Beispiel des „Archivs“ wie man sich Freiräume zurückerobert. Wir werden laut streiten und dafür kämpfen, das Freiräume erhalten bleiben und ausgebaut werden. Jetzt ist Schluss mit still halten.

La Datscha

Von Hausbesuchen und Kaufverträgen…

Neues aus der Uhlandstraße.

Uhlandstr. 24

Nach einigen aufregenden Monaten können die Bewohner_innen des Wohn- und Kulturprojektes Uhlandstraße 24 nun zumindest teilweise aufatmen. Eine mehr oder weniger zufriedenstellende Einigung mit der Erb_innengemeinschaft wurde gefunden und somit rückt die Möglichkeit des Objektkaufes wieder in Reichweite. Zudem droht nicht mehr unmittelbar die Räumung. Ein großer Erfolg für die Bewohner_innenschaft stellt die Aufnahme des Projektes in das Mietshäuser Syndikat dar. Auch weitere Schritte in Richtung Hauskauf konnten erfolgreich unternommen werden.
Jedoch können diese neueren Entwicklungen nach wie vor nicht über das angespannte Verhältnis zwischen den Bewohner_innen und besonders dem Anwalt der Erb_innengemeinschaft hinwegtäuschen. Noch Mitte August war dieser unangemeldet im Haus aufgetaucht und hatte besonders durch sein herabwürdigendes Auftreten die letzten Reste eines ohnehin kaum existenten Vertrauensverhältnisses zerstört. Er hatte den Bewohner_innen mit denen er auch zu diesem Zeitpunkt in Verhandlungen zu einer einvernehmlichen Lösung stand, das Recht auf einen Schutz ihrer Privatsphäre deutlich abgesprochen. Es ist also verständlich, wenn die momentanen ‚Erfolge‘ durchaus auch Misstrauen seitens der Bewohner_innen wecken.
Auch die Rolle der Stadt in den Verhandlungen zwischen den beiden Parteien ist weiterhin zu hinterfragen. Obwohl sich die Stadtverordnetenversammlung (geschlossen) für eine Unterstützung des Wohn- und Kulturobjektes aussprach, blieben handfeste Ergebnisse bisher eher rar. Dass das nicht so sein muss, wird am Beispiel des Spartacus oder der besetzen Villa Wildwuchs erfreulicherweise deutlich. Hier scheint die Stadt sehr bemüht um konkrete Unterstützung, sei es in Form von Finanzierung einer Gebäudesanierung oder im Angebot von Ausweichobjekten. Ob die fehlende Unterstützung seitens der Stadt jedoch nicht auch auf eine mangelnde politische Thematisierung der Zustände durch die Bewohner_innen der Uhlandstraße 24 zurückzuführen ist, bleibt zu diskutieren.

Die Bewohner_innen sind jedoch nach wie vor auf die finanzielle Unterstützung von Symphatisant_innen angewiesen, um den Hauskauf und die Sanierungsmaßnahmen zu finanzieren ohne sich dafür dem Potsdamer Mietspiegel anzupassen. Diese Unterstützung kann in Form von Bürgschaften, aber auch als sogenannte „Leih- und Schenkgemeinschaften“ oder Direktkredite gegeben werden.

Bei Fragen und Interesse:
fu24ev@gmx.de