#08


Krisenstories

Die (radikale) Linke ist seit langem in einer tiefen, tiefen Krise. Jedes Mal wenn dieser Satz ausgesprochen wird ist es gleich noch viel schlimmer. Wir sind perspektivlos, konzeptlos und suchen den Lichtschalter ohne zu wissen, ob wir überhaupt ans Netz angeschlossen sind. Das allseits beliebte “revolutionäre Subjekt” die Arbeiter_Innenklasse – ist irgendwie nicht auszumachen, hat sich vereinzelt, gespalten, angepasst. Also suchen wir uns ein anderes revSu: vll. die AntiAKWBewegung, Frauenrechtsbewegung, Studis und Schüler, Präkarisierte – funzt alles irgendwie nicht. Es bewegt sich nichts – wo ist unsere Power? Statt aber konsequent zu überlegen wo die Ursachen unseres Scheiterns liegen und logische Schritte zu ergreifen, wie wir denn eine revolutionäre Perspektive schaffen können, beobachte ich zunehmend ist eine Entkopplung von der Wirklichkeit. Jetzt kommt der Teil bei dem sich einige Menschen auf den Schlips getretten fühlen werden – verständlich, denn ich kritisiere ihre/unsere politische Praxis. Ich will aber betonen, dass ich keinem Teilgebiet von linker Gesellschaftskritik die Wichtigkeit oder Berechtigung absprechen will. Im Kern treffen alle den selben Punkt. Nur ist dafür manchmal enorme Gedankenakrobatik notwendig. Kurz, knapp und provokativ gesagt: Die (radikale) Linke in diesem Land beschränkt sich auf bourgeoise Luxusprobleme und ist damit längst Teil eines Reformismus, der wiederrum fester Bestandteil des kapitalistischen Verwertungslogik ist. Beispiele: weltweit leben mehr als 1 Milliarde Menschen in aktuer Armut, zehntausende verrecken jeden Tag an verseuchtem Wasser, Mangelernährung, heilbaren Krankheiten oder werden in Konfliktgebieten abgeschlachtet – thematisieren wir das ernsthaft? Hat das Einfluss auf unseren Alltag? Ich glaube eher weniger. Oder wenn weltweit Millionen Mädchen und Frauen verfolgt, genitalverstümmelt, missbraucht oder sonst wie unterdrückt werden – arbeiten wir konkret dagegen? Wir sprechen über sexualisierte Sprache, über Mackerverhalten und wie mensch richtig gender muss. Dieser menschenverachtende Zynismus ist kaum zu ertragen. Wohlwissend, dass es Menschen gibt die nicht das zufällige Glück hatten, in die sogenannte erste Welt geboren zu werden, beschäftigen wir uns fast aussschließlich mit den Problemen der ersten Welt. Wir kämpfen für Mindestlohn statt die Tatsache zu problematisieren, weshalb der Unterschied zwischen Arm und Reich, zwischen Nord und Süd so groß ist. Wir fordern bezahlbare Mieten statt Abschaffung des Privateigentums. Klar sind das alles wichtige Bereiche die angesprochen werden müssen. Das Problem ist aber das entwederoder, ganz einfach weil auch der Tag einer Zecke nur 24h hat. Also entweder die globale Scheisse auf den Tisch, oder das Lokale thematisieren. Natürlich lässt sich das Lokale besser vermitteln und daraus ergibt sich im besten Fall, dass die Menschen erkennen, welche globale Verantwortung sie tragen und daher den Kapitalismus kollektiv zu Grabe tragen. Die meisten arbeiten auf dieser Ebene – sind sie erfolgreich? Können die Inhalte ermittelt werden? Diese Frage muss jede und jeder für sich selbst beantworten.

Und was jetzt?

Aus meiner Sicht müssen wir es schaffen wieder einen proletarischen Interbzw. Antinationalismus zu etablieren, mit konkreter, praktischer Solidarität. Statt unsere Häuser und Projekte technisch zu modernisieren, warum nicht mal die Kohle verschickt, an ein konkretes Basisprojekt in Lateinamerika? Wer sich von der liebgewonnenen Kohle so schlecht trennen kann, der_dem bleibt wenigstens die Chance internationale Austauschprojekte zu organisieren. Netzwerke und Strukturen aufbauen – Menschen zu helfen, die wahrscheinlich in der Lage sind mehr zu reissen als wir momentan. Wir sind in der Lage mit überschaubarem Aufwand Kohle zu organieren, mit der Menschen ausserhalb von Deutschland einfach mal viel mehr anfangen können. Europa wird einfach mal nicht die Keimzelle der Revolution sein. Bei guter Selbstorganisation wäre es möglich global zu wirken und ebendas lokal zu propagieren. Das wären dann 2 Fliegen mit einer Klappe. Helfen und Bewusstsein schaffen.

Proletarier aller Länder…

Sowieso ist es ziemlich lächerlich wenn Genoss_Innen von Weltrevolution reden und sich dann “nur” gegen Nazis und Stadtsanierung engagieren. Wer macht den die große Revolution? Die Anderen? Die nicht genau bestimmbar sind, die weltweit anonym leben, kämpfen und sterben. Die machen das schon und wenn es soweit ist, springen wir einfach auf den rollenden Zug, denn durch unsere ständige Propaganda sind die Leute längst bereit ihr Leben von Grund auf zu ändern. Wir warten also das andere was reissen und bis dahin beschäftigen wir uns mit uns selbst – Das kanns nicht sein. Wir sollten unsere Kraft nicht in die Verbesserung unseres eigenen Lebens stecken (den unser Lebensstandard ist bereits jetzt pervers hoch) sondern die Menschen unterstützen die einfach mal nix haben. Wir müssen raus aus unserem liebgewonnenen sozialen Ghetto, in dem die Sonne scheint, aber sobald wir uns außerhalb dieser Struktur bewegen ist alles wieder scheisse. Zumal die Szene sich soweit abgrenzt und verschließt, dass ein “Reinkommen” für Außenstehende weder attraktiv noch einfach machbar ist.

Es gibt kein richtiges Leben im Falschen Der Kampf muss also gegen Ausbeutung und Lohnarbeit gerichtet sein. Direkt dagegen und nicht gegen die vielen kleinen Bereiche in denen die Auswirkungen spür-und nachweisbar sind. Sollte das funktionieren, heisst das aber noch nicht, dass von den revolutionären Massen auch z.B. das bestehende Patriarchat zerschlagen wird. Dann müssen wir auf jeden Fall inhaltlich nachlegen. Aber die Nr. 1 auf der ToDoListe sollte doch ganz klar das kapitalistische Ausbeutungssystem sein. Denn: Wenn der fiese Kapitalismus erstmal weg ist, ergibt sich darauf (hoffentlich) die Möglichkeit die mit ihm verbundenen Unterdrückungsmechanismen gleichfalls zu eliminieren. Der Kapitalismus der ersten Welt kann im Zweifelsfall auch ohne Patriarchat, Überwachungsstaat oder Tierversuche. Andersrum siehts schon schwieriger aus. Daher die vielleicht naive Hoffnung, dass wenn wir unseren Kampf konkret auf das System von Ausbeutung, Eigentum und Lohnarbeit lenken statt in allen Teilbereichen nachzuweisen wie kapitalistisch diese durchsetzt sind eben diese Teilbereiche nicht mehr notwendig sind und daher absterben (wenn wir mehr oder weniger nachhelfen). Unsere aktuelle politische Theorie ist aber nicht vermittelbar. Wir gehen ins hunderste und tausendstel und sind dabei nicht mehr bei den Problemen der Menschen. Und selbst wenn wir mal den richtigen Punkttreffen, schreckt der coole Szenestyle ab. Wir erreichen also nichtmal die Menschen für die wir unter anderm kämpfen.

Blasphemie?

Aber selbst wenn wir weiter auf unserer lokalen Ebene weiter machen wollen gilt es hier umzudenken.
Wir müssen auf diesem Weg die Gradwanderung schaffen auf ein konkretes Ziel hin zu arbeiten und zwar auch mit Menschen die nicht so p.c. sind wie wir selbst ohne uns dadurch spalten zu lassen. Wir müssen raus aus unserem sektiererischen Szenedenken, denn damit machen wir uns selbst bedeutungslos. Wir müssen aufhören Leute “umerziehen” zu wollen, sondern eine Perspektive schaffen in der die Menschen selbst auf die Schlüsse kommen – das ist viel ehrlicher und tiefer, als bloßes nacheifern. Wenn z.B. ein Sexist nicht kapiert, warum Frauenverachtung zum Kotzen ist, müssen wir das vermitteln und ihn nicht einfach schwupsdiewubs auf alle Hausverbotslisten der Stadt zuschreiben. Denn ausserhalb der eigene Szene wirkt dieser Mensch ja trotzdem. Auch da gibt es Frauen (mensch mag es kaum glauben) die von solchen Wixxern belästigt werden – die sind uns scheinbar aber erstmal scheissegal solange sich in unserem sozialen Ghetto alle zu Antisexismus bekennen – verbal und nicht durch Taten wohlgemerkt. Das ist zutiefst verinnerlichtes Elitendenken…

Tante MiliGruppe

Anmerkung: Ich würde mir wünschen mit konkreter inhaltlicher Kritik überschüttet zu werden – auch mir ist bewusst, dass der vermittelte Standpunkt nicht widerspruchsfrei ist und zudem auch fern meiner politischen Praxis. Menschen die mir einfach nur verkürzte KapitalismusKritik, strukurellen Antisemitismus oder patriarchalles Denken vorwerfen bestätigen in meinen Augen lediglich meine Szenekritik. Ich subsummiere alles unter “uns” und “unsere” weil ich mich trotz all dem Mist und den inhaltlichen Differenzen mit dieser Bewegung identifiziere und weil ich denke, dass “wir” “es” gemeinsam schaffen können – was auch immer dieses “es” sein mag.

„Irgendwie zeitlos“?

Rückblick auf Freiraum, Freiland, Hallo Freiheit?

Zur genannten Veranstaltung Ende Oktober war das kont[x]t in der H.-Elflein-Straße rammelvoll. Neben Menschen aus verschiedenen Potsdamer Hausprojekten, Politgruppen kamen Spartakus-, Archiv-, AJKP- und Stadtjungedring-Aktive. Gemischte Mischung also.

Zeh sprach einführende Worte zum Grund der Veranstaltung. Ziel der Potsdamned! war es einen offenen Diskussionsraum zu „kulturellen Freiräumen“ in Potsdam zu schaffen. Es geht um den Zustand, die Verhandlungen, Kritik und Perspektiven dieser „kulturellen Freiräume“. Da bisher in der Potsdamned! ausschließlich kritische Beiträge zu den Freiland-Aktionen veröffentlicht wurden (da solche nur eingesendet), sollte eine Diskussionsveranstaltung die Möglichkeit eröffnen, gemeinsam Für und Wieder zu diskutieren.
Vorgegeben wurde neben Thema das Einhalten der Redeliste. Das Verzichten auf eine Moderation wurde im Laufe der Veranstaltung einige Male kritisiert, ein Bedarf nach mehr Form und zielgerichteter Diskussion wurde geäußert.

Nach dem obligatorischen Aufwärmen im kalten konte[x]t prallten die Beiträge aufeinander. Im folgenden sollen die Beiträge erstmal ungewertet neben einander gestellt werden. In Extra-Artikeln kann dann aus-, auf- und abgewertet werden.

B. vom AJKP beginnt:
In den letzten Monaten versuchte das AJKP das Freiland-Projekt und die Verhandlungen zum Erhalt der Archivs voran zu treiben. Alternative Jugendkultur bedeutet, das junge Menschen sich ausprobieren können. Alternative Jugendkultur steht im Gegensatz zur Preußen-Hochkultur. Freiraum muss preiswert sein. Zum Thema Radikalität: Dass die besetzten Häuser nun weg sind, zeigt, dass es wenig Sinn machte. Das Dagegenstellen gegen die Stadt – heute – bringt nix, da sonst die weitere Existenz der Freiräume gefährdet ist.

A. antworten darauf:
Die eben genannte Vorstellung ist klassische Jugendsozialarbeit und keine linksradikale Perspektive. Außerdem ist es falsch, das heutige Fehlen von besetzten Häuser als Niederlage dieser Idee oder gar Praxis zu werten. Die heutigen linken Häuser würden ohne die Besetzungen in der 90ern gar nicht existieren!
Der militante, radikale Gestus, mit dem heute in Potsdam Freiräume gefordert werden, ist unehrlich, wenn das eigentliche Ziel beheizter Raum für Jugendarbeit und Party ist. Bitte ehrlicher!

An. meint dazu:
Die Art, wie mensch fordert, ist doch Teil einer Strategie. Warum nicht mit militantem Gestus fordern? Wichig ist doch, was gefordert wird. Und dann finde ich, dass Partyraum/Kulturraum sehr wohl politisch sein kann. Wenn er beispielsweise als Schutzraum funktioniert.

A. vom Spartakus zum eigenen Projekt:
Das Spartakusprojekt war eher ein zufallsprodukt als eine Folge der Hausbesetzungen. Die Gruppe verband ein partizipativer Anspruch, der Wunsch nach einen breiten, coolem Programm, zentrale Lage, guter Türpolitik und einer nicht-profit-gerichteten Strategie. Bevor das Modell weiter entwickelt werden konnte, war der Raum weg und nun gibts zehrende Verhandlungen mit der Stadt. Eine gute Lösung, die dem Projekt die notwendige Praxis gibt, schien erreichbar, eine gute Lösung rückt aber über die Zeit immer ferner.

D. vom Stadtjugendring fordert:
Mehr Akzeptanz für die verschiedenen Wege! Ob nun „nur“ beheizter Raum für Jugendliche oder politischer Freiraum. Aber auch bezüglich der Methoden – ob nun über Gremienarbeit und SVV oder anderes. Jede_r wie er_sie will!

K. ausm Archiv meint:
Freiräume sollen Räume sein, die möglichst frei von Profitstreben sind. Freiräume sollen autonome Räume sein, in denen eigene Regeln aufgestellt werden. In Freiräumen soll von der Vorstellung befreit werden, dass Mensch nur Konsument_in ist.
Das Bild,dass sich das Archiv der Stadt anbiedern würde, ist falsch. Es geht um die Einforderung einer gerechtfertigten Gegenleistung für ein Angebot (Raum für Subkulturen), dass das Archiv praktisch leistet.
Darüber hinaus haben sich die Zeiten verändert im Gegensatz zu den 90ern. Die Repression ist stärker geworden und die Spielräume enger. Wenn Radikalität Autos anzünden usw. ist, dann ist es nicht mein Weg.

J. antwortet:
Das überhaupt in dieser Kategorie Leistung/Gegenleistung gedacht wird, ist krass. Und wenn darin gedacht wird – was erkauft sich denn der Club, der mit der Stadt verhandelt? Die Stadt erkauft sich Frieden.

Zwischenbeitrag:
Das Bild der 90er in Potsdam ist mystisch und teilweise romantisiert. Eine Aufarbeitung der Anfänge, Perspektiven, Probleme, sowie „das Ende“ bzw. die Transformation der Hausbesetzerszene in Potsdam ist wichtig.

V. kommt zurück zu Leistung/Gegenleistung:
Das Akzeptieren dieses Warenverhältnisses zeigt, wie fern dieses „Freiraumzeug“ von linker radikaler Politik und kapitalismuskritischer Theorie ist. Das Übernehmen einzelner sozialpädagogischen Aufgaben in der Stadt steht einem radikalen Infragestellen aber auch Angriff gegen Stadt und Staat zuwieder. Hier fehlt eine ausführliche Auseinandersetzung mit Kapitalismuskritik!

Einwand:
Die Aktionsformen, die gelaufen sind, z.B. Besetzung SVV oder Farbaktionen zeigen aber auch eine Unversöhnlichkeit mit der Stadt.

Versuch der Zusammenfassung durch H.:
Potsdam hat mehr als ein dutzend linker Haus- und Kulturprojekte. Das sind Menschen, die ihre Räume selbst gestalten, die ihre Themen, ob nun Antifa, Geschichte, Gender, Antira, Klima, Soziale Ökonomie, Soziale Kämpfe etc. theoretisch und praktisch angehen. Die Frage ist doch einerseits, wo es sich lohnt zusammen zu diskutieren und zusammen zu arbeiten. Und andererseits ergibt sich durch die Selbstorganisation und Selbstgestaltung des Freiraumes auch fast automatisch Fragen. So wie wir unter dem finanziellen Druck effektiv neue Lebens-, Kultur- und Arbeitsmodelle schaffen und ausprobieren können. Oder generell welche Chancen es für Freiräume im kapitalistischen System gibt und wo Grenzen da sind. Hier lohnt es zusammen zu kommen und bei Interessenüberschneidungen auch gemeinsam eine Strategie zu entwickeln, um diese Interessen durchzusetzen.

L. von Die Andere
Freiraum wird hier als statischer, territorialer Begriff genutzt. Wäre es nicht sinnvoller, ihn als Begriff der Bewegung zu nutzen. Der Kampf um Freiräume als Kampf um die Verteidigung einer bestimmten linken Lebensform?
Was mich noch stört, ist das etwas kuriose Bild der Hausbesetzer_innen in den 90er in Potsdam. Da wird doch einiges hinein projeziert.
Das Freilandprojekt unterstütze ich. Die formellen Punkte sind nun langsam geklärt, der Spartakus wird das größte Projekt darin sein und der geschaffene Freiraum kann nur gut sein. Natürlich kann einiges daran kritisiert werden, am besten aus theoretischer Höhe bzw. Ferne.
Notwendig wäre nicht nur die Formulierung sondern die praktische Umsetzung der hier oft gehörten Kapitalismuskritik.

An. führt aus:
Es muss Orte (und Praxen) geben, wo die Diskussion über gerade jene Umsetzung der umfassenden Kapitalismuskritik stattfinden kann. Und hier zeigt sich auch, dass die Trennung zwischen Politik und Kultur unsinnig ist. Wenn in einem sozio-kulturellem Zentrum praktisch mit Lohn etc. auseinandergesetzt und agiert wird, ist es doch gerade die oben geforderte Umsetzung, oder?

Dazu S.:
Wichtig ist es, aus der Szeneniesche zu treten.
„Hallo Potsdam“ war da ein Versuch mit einer Auflage von 40.000 und dem Anspruch, das für Potsdamner_innen relevante Thema Stadtentwicklung anzugehen.
Nicht nur in der Szene sollte die Diskussion „Welche Zwänge gibt es? welche sind dominant? Was können wir gemeinsam tun?“ statt finden sondern überall. Es ist zeit für antikapitalistische Kämpfe in Potsdam!

B. vom AJKP dazu:
Es führt kein Weg an der Zusammenarbeit vorbei. Zusammen können wir es schaffen. Eine Zusammenarbeit mit den alten Besetzer_innen wär gut, wo sind sie denn? Die Verhandlungen im Archiv sind auch Kämpfe. Und wir gehen mit Maximalforderungen rein und kucken, nach zähen Verhandlungen, was übrig bleibt. Neue Zustände brauchen neue Methoden.

S. zum Bisherigen:
Die Beiträge und Diskussionen haben über weite Strecken einen zeitlosen Charakter und sind der gesellschaftlichen Realität unangemessen. Standarddiskussionen linke Autonomer in zumeist luftiger Höhe, wie sie auch vor Jahren und Jahrzehnten hätten geführt werden können. Es ist auffällig, dass es nicht um den konkreten Arbeitskampf heute geht. Hier sitzen Menschen aus der linken Szene und verbleiben in der Szeneniesche, die mitsamt ihren Häusern nicht viel mit dem Leben heute draußen in Potsdam zu tun haben. Was gibt es dann gerade für soziale Kämpfe in Potsdam?

B. versucht einige offene Fragen zu wiederholen bzw. zusammen zu fassen für evt. Folgeveranstaltungen:
- Wie ist mit der Transformation der alten besetzen Häuser in Erbbaupacht- und Kaufhäuser umzugehen? Was ändert sich dadurch, welche Chancen ergeben sich?
- Welche Chancen bieten („kulturelle“) Freiräume innerhalb des kapitalistischen Systems. Wo sind ihre Grenzen und Möglichkeiten?
- Wie sieht die Praxis (in Potsdam) einer praktischen, radikalen Kapitalismuskritik aus?
- Wie sollte linke Kritik (nicht) formuliert werden?
- Wo überschneiden sich Ziele, Methoden und konkrete Interessen der Hausprojekte bzw. linker Akteure (hier, in Brandenburg und global) um welche sozialen Kämpfe zu führen bzw. in welche zu intervenieren?

Die Beiträge sind, denk ich, manchmal Einzelmeinungen, manchmal Gruppenstatements. Wenn sich eine_r falsch wiedergegeben fühlt oder etwas wichtiges fehlt, dann bitte Einwände oder neue Artikel an potsdamned@riseup.net !

Freiraum, Freiland, Freigang

Gedanken zur Freiraum-Diskussionsveranstaltung in drei Akten.

Am 27.10. diesen Jahres lud die Potsdamned zu einer Diskussionsveranstaltung unter dem Thema „Freiraum, Freiland, Hallo Freiheit?“ ein. Hier – nach reiflicher Überlegung und längerem Inunsgehens – nun einige Gedanken und Denkanstöße unsererseits dazu.

I. Akt: Kritik an euch und uns.

Zunächst einmal sei Folgendes gesagt: unser Redelistenkonzept war leider nur semiopitmal. Es fehlte (nicht nur aber auch) von unsere Seite an einer ausgeklügelteren Handhabung. Gerade auch die doch sehr hohe Zahl der Teilnehmer_innen wurde uns hier zum Verhängnis. Diese Problematik haben wir auch in unserer Auswertungsrunde besprochen und fassen uns nun schön an die eigene Nase.
Aber trotzdem möchten wir von unserer Seite auch noch einmal betonen, dass wir die Veranstaltung von vornherein als eine Möglichkeit, einen Raum zur Diskussion betrachtet und auch kommuniziert haben. Deshalb fanden wir es ziemlich schade, dass zwar viel Kritik aber nur wenige Ideen zur besseren Umsetzung, Organisation oder Strukturierung zur Sprache kam. Denn wir können von uns nicht behaupten die Übersicht, den Masterplan oder auch ‚nur‘ eine außenstehende Position in dieser Diskussion zu haben. Gerade deswegen hätten wir uns über mehr konstruktive Kritik und konkrete Veränderungsvorschläge gefreut.

II. Akt: Wir und die anderen.

Hier möchten wir noch einmal Nachfolgendes loswerden: die Potsdamned ist nicht im Besitz einer einheitlichen Redaktionsmeinung, denn wir sind verschiedene Menschen mit verschiedenen Meinungen. Trotzdem haben wir uns gerade zu Beginn der Veranstaltung bemüht einen Überblick über verschiedene Meinungen und Standpunkte zu geben. Jedoch waren auch Mitglieder der Redaktion in die Diskussion verwickelt. Wir wollten lediglich noch einmal darauf hinweisen, dass es sich dabei um die Redaktion der Potsdamned und zugleich um in die Problematik höchstinteressierte Einzelpersonen handelte um eventuelle Verwirrungen und Unklarheiten zu beseitigen. Leider muss wohl auch noch einmal betont werden: alle Artikel, die uns zugesandt werden, finden auch ihren Weg in die Zeitung so lange sie nicht die üblichen verdächtigen Ismen bedienen. Meinungen einzelner Redaktionsmitglieder haben keinen Einfluss auf die Inhalte der Zeitung.

III. Akt: Wohin soll das nur führen?

Zum Schluss wollen wir uns noch an einem kurzen inhaltlichen Ausblick anhand des extra von uns entwickelten Konzept des Dreischritts bemühen.
Um an die Diskussion anzuschließen und sie weiter zu führen, wären vielleicht folgende Fragen zu beantworten:
Welche Zielvorstellungen und Utopien haben einzelne Menschen, Gruppen und Häuser? Was wollen ‚wir‘ insgesamt?
Wenn sich hier Gemeinsamkeiten feststellen lassen, folgt automatisch Schritt zwei:
Wie kann der Weg dahin gestaltet werden? Wo ergeben sich Perspektiven? Oder alternativ: Wie kann Schlimmeres verhindert werden?
Wenn sich auch an dieser Stelle gemeinsame Perspektiven gefunden werden können, könnte ein dritter Schritt nach Folgendem fragen:
Wie und wo können wir uns unterstützen und / oder gemeinsam kämpfen?
Abschließend seien noch zwei ebenfalls interessante Diskussionspunkte genannt, die es auf jeden Fall auch wert sind weiterdiskutiert zu werden.
Wie und warum hat sich die Transformation von besetzen Potsdamer Häusern in andere Miet-/Pacht-/Kaufverhältnisse auf deren Ziele ausgewirkt? Welche Möglichkeiten ergeben sich daraus?
Kämpfen eigentlich alle auf der gleichen Seite? Wenn ja, warum? Und wenn nein, warum eigentlich nicht?

So Long, and Thanks For All the Fish.