Zum Gedenken an die Spanienkämpfer_innen

von h.a.

In Erinnerung an die Potsdamer Spanienkämpfer_innen soll ein Gedenkstein wieder würdevoll hergerichtet werden, denn in der Potsdamer Erinnerungs- und Gedenkkultur haben jene Antifaschist_innen heute keinen festen Platz mehr. Im Folgenden werden einige dieser Antifaschist_innen näher beschrieben und die Idee zur Instandsetzung des Gedenksteins skizziert.

Im Jahr 1936 erfolgte der Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs, kurz nach dem die linke Volksfront die Wahlen gewonnen hatte. Im Juli führt eine Machtclique aus Faschisten, Monarchisten, Kirche und Militärs den Putsch gegen die Republik von Marokko aus mit deutscher und italienischer Unterstützung durch. Obwohl die spanische Republik politisch allein gelassen wurde, organisierte sich zuerst in den revolutionären Zentren des Landes der Widerstand, der sich bald zu einer weltweiten internationalen Solidarität antifaschistischer Kräfte entwickelte. Mexiko und die Sowjetunion lieferten Waffen und aus vielen Ländern kamen Freiwillige, um an der Seite der Republik gegen die Faschisten zu kämpfen.
1937 kommt es innerhalb der Volksfront zu schwerwiegenden politischen Differenzen, die sich moralisch und militärisch nachteilig auswirken, während die Putschisten immer mehr Land erobern können. Zwar kann die spanische Republik kurzfristige militärische Erfolge verbuchen, doch gegen die Übermacht der Faschisten gibt es kaum eine Chance. 1938 kommt es nach Druck aus dem „Komitee für Nichteinmischung in die Angelegenheiten Spaniens“, dem auch das faschistische Deutschland angehört, zum Abzug der Internationalen Brigaden, in denen tausende Antifaschist_innen kämpfen. Die deutschen und italienischen Truppen kämpfen aber weiterhin an der Seite Francos. Die Regierung der Republik zieht sich mehr und mehr zurück und im Frühjahr 1939 fällt Katalonien. Nach fast drei Jahren Krieg ist die spanische Republik besiegt und Franco errichtet seine Diktatur.

Auf verschiedenen, meist langen und oft auch gefährlichen Wegen kommen die Antifaschist_innen aus allen Ländern, um für die spanische Republik und gegen den Faschismus zu kämpfen. Neben Frankreich, England, Skandinavien, den Vereinigten Staaten von Amerika, Polen Jugoslawien und Österreich sind auch tausende Freiwillige aus Deutschland dabei, darunter auch einige, welche in Potsdam bzw. Nowawes leben. Mit Walter Junker wurde bereits in der Potsdamned Nr.6 ein biografischer Abriss über eine Person gegeben, die nicht nur in Nowawes (dem heutigen Babelsberg) lebte, sondern hier auch die politische Arbeit durchführte bis er in Spanien an der Ebrofront sein Leben verlor.

Auch Paul Kühne kämpft als Potsdamer bzw. korrekterweise als Nowaweser in Spanien. Geboren wird er am 16. September 1908 in Nowawes und nach der Schulzeit in der Volksschule macht er im Werk von Orenstein und Koppel eine Ausbildung. Er tritt der „Roten Jungfront“ und im Jahr 1929 schließlich der KPD bei. Militärische Erfahrungen sammelt er im Roten Frontkämpferbund (RFB) als Zugführer und nach deren Verbot bei den nächtlichen Übungen in den Ravensbergen. Paul Kühne gehört zu den ersten Personen, die von den Nazis 1933 verhaftet werden. Erst im Gefängnis und später in den Emslandlagern inhaftiert wird er erst wieder 1935 entlassen. Als Taxifahrer hat er eine wichtige Funktion bei illegalen Treffen in Potsdam und Umgebung. Um seiner Verhaftung zu entgehen flieht er wie andere Antifaschist_innen in die ČSR, um von dort mit falschem Pass über Österreich, die Schweiz und Frankreich nach Spanien zu gehen. Hier wird er unter anderem als Fahrer eines Panzerspähwagens in der XV. Internationalen Brigade und später als Chef einer Sanitätskraftwagenkolonne eingesetzt. Unmittelbar nach dem Krieg ist er in Frankreich interniert und wird 1941 an die Gestapo ausgeliefert. Nach einer Haftzeit erhält Paul Kühne den Befehl zum Dienst in der sogenannten „Bewährungseinheit“ 999. An der Ostfront fehlt seit dem Januar 1945 jegliche Nachricht von ihm, vermutlich wird er beim Überlaufen zur Roten Armee erschossen.

Kurt Laube ist eine weitere Person, die in Spanien auf Seiten der Republik kämpft. 1905 in Rathenow geboren zieht er nach Nowawes und tritt zuerst dem KJVD (Kommunistische Jugendverband Deutschlands) und im Jahr 1930 der KPD bei. Als Mitglied im RFB organisiert er mit der Machtübernahme der Nazis 1933 Arbeiterdemonstrationen und arbeitet schließlich politisch in Nowawes und Berlin illegal weiter. Nach der Emigration in die ČSR meldet er sich freiwillig, um in Spanien gegen die Faschisten zu kämpfen. Eingesetzt wird er als Kommissar der 2. Kompanie in einer Batterie im Bataillon „Edgar André“, welches der XI. Internationalen Brigade zugeordnet ist. Am Ebro trifft er auch auf seine Nowaweser Genossen Walter Junker und Kurt Vogel. Auch Kurt Laube wird nach dem Ende des Krieges unter anderem in Gurs (Frankreich) interniert und durch die Vichy-Regierung an Nazi-Deutschland überstellt. In Potsdam wird er zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt, die er im Zuchthaus in Brandenburg zubringt. Obwohl er in ein Strafbataillon der Wehrmacht zwangsrekrutiert wird, gelingt ihm die Flucht zur amerikanischen Armee. Nach der Befreiung im Jahr 1945 übernimmt er politische Funktionen in der KPD, später in der SED und in der VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes) und arbeitet als Redakteur der DEFA-Betriebszeitung. 1987 stribt Kurt Laube in Potsdam.

Vierte Person im Bunde der Nowaweser Spanienkämpfer ist Kurt Vogel. Geboren wird er am 03. Februar 1910 in Potsdam. In den Waffenwerken Spandau lernt er den Beruf des Rohrschlossers. Er tritt 1926 dem KJVD und 1928 der KPD und dem RFB bei, außerdem ist er Vorsitzender der Roten Hilfe in Nowawes. Schon 1932 wird er wegen der RFB-Tätigkeit verhaftet (der RFB ist seit 1929 verboten) und wird im Jahr 1933 von den Nazis im KZ Lichtenburg in „Schutzhaft“ genommen. 1936 flüchtet er in die ČSR und folgt dem antifaschistischen Kampf im November 1936 nach Spanien. Kurt Vogel, auch bekannt unter dem Namen „Roter Waffenmeister“, vollzieht seinen Dienst in der XI. Internationalen Brigade als Kapitän und Operationschef in verschiedenen Bataillonen (unter anderem „Thälmann“, „Edgar André“ und „12. Februar“). Bei seinen Diensten an den unterschiedlichen Fronten wird er mehrmals verwundet. 1939 kommt er in mehrere Internierungslager, wird 1941 an Deutschland ausgeliefert und zu einer Haftzeit im Zuchthaus Brandenburg verurteilt. 1943 wird Kurt Vogel in das KZ Buchenwald überstellt, wo er am bewaffneten Aufstand teilnimmt. Nach 1945 wird er Polizeipräsident, Mitglied der SED, studiert in der UDSSR und wird Oberst bei der NVA.

Neben den gerade exemplarisch ausgewählten Freiwilligen aus Potsdam bzw. Nowawes gab es auch noch diejenigen Personen, die erst nach 1945 in Potsdam lebten und wirkten. Hierunter befinden sich durchaus bekannte Persönlichkeiten wie zum Beispiel Eduard Claudius, Hans Marchwitza oder Antonia Stemmler.
Eduard Claudius wird in Gelsenkirchen geboren, erlernt das Maurerhandwerk und wird bereits mit 16 Jahren Gewerkschaftsfunktionär. Ab 1932 ist er Mitglied der KPD, emigriert 1934 in die Schweiz, geht 1936 nach Spanien und kämpft dort in den Internationalen Brigaden, wird schließlich verhaftet und bis 1945 im Zuchthaus Witzwil (Schweiz) inhaftiert. Im Jahr 1947 siedelt er nach Potsdam über und wird unter anderem neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit Diplomat für die DDR in Syrien und Vietnam. Er stirbt 1976 in Potsdam.
Ebenfalls aus dem Ruhrgebiet kommt Hans Marchwitza, wenn auch in Oberschlesien (Polen) geboren. Er ist Bergarbeiter und musste bereits im Ersten Weltkrieg seinen Kriegsdienst absolvieren. Über die USPD kommt er 1920 zur KPD und beteiligt sich an Aktionen der Roten Ruhrarmee. Über die Schweiz und Frankreich geht er als Offizier zu den Internationalen Brigaden, nach dem Krieg emigriert er unter anderem in die USA. Er kehrt nach der Befreiung zurück und zieht im Jahr 1947 nach Potsdam-Babelsberg. Hans Marchwitza wird als Arbeiterschriftsteller mit diversen Preisen ausgezeichnet.
Antonia Stemmler, 1892 in der Schweiz geboren, kommt bereits früh nach Berlin und führt eine Ausbildung zur Lehrerin durch. Schon in den Jahren 1929 bis 1931 arbeitet sie als Sekretärin in einem Verlagshaus in Spanien. Als Mitglied der KPD flieht sie nach Prag, wird verhaftet, das Verfahren muss jedoch eingestellt werden. In den Internationalen Brigaden führt sie ihren Dienst in verschiedenen Hospitälern aus. Wie viele andere auch wird sie später in Frankreich interniert, an die Gestapo ausgeliefert und in die KZ Ravensbrück und Auschwitz verschleppt. Nach Kriegsende übernimmt sie verschiedene Funktionen beim staatlichen und gesellschaftlichen Wiederaufbau in Potsdam und Umgebung. 1976 wird Antonia Stemmler in Potsdam beigesetzt.

Das Ausmaß der deutschen Unterstützung und Beteiligung am Putsch und bei der Errichtung einer faschistischen Diktatur auf spanischem Boden am Vorabend des Zweiten Weltkriegs wird auch heute noch verdrängt bzw. wird dem in der Öffentlichkeit kaum Bedeutung beigemessen. Wenig Beachtung finden auch die Freiwilligen, die aus politischer und humanitärer Überzeugung den Weg nach Spanien aufnahmen, um dort solidarisch mit Antifaschist_innen aus aller Welt gegen den Faschismus und für ein freies Spanien zu kämpfen. Während es in DDR, getreu dem politischen Geschichtsbild, allgemein üblich war, Straßen, Schulen und Einrichtungen nach Spanienkämpfern zu benennen und Gedenkveranstaltungen durchzuführen, ist mit der Wiedervereinigung davon nicht mehr viel übrig geblieben. So gebührt ihnen heute, wie im übrigen während des gesamten Zeitraumes der alten BRD, keine Anerkennung und Ehrung mehr.

In Potsdam gibt es heute nur noch einen Standort, der als Erinnerungs- und Gedenkort für die Spanienkämpfer fungiert. Ein Denkmal für den gefallenen Walter Junker wurde im Zuge der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes am Bahnhof Griebnitzsee von der Deutschen Bahn als Eigentümer entfernt. So befindet sich nur noch am Treffpunkt Freizeit ein Gedenkstein, welcher als solcher aber nicht mehr zu erkennen ist. Dieser Gedenkstein für die deutschen Interbrigadisten wurde am 04.10.1969 anlässlich des 33. Jahrestages der Gründung der Internationalen Brigaden vor dem ehemaligen „Pionierhaus“ eingeweiht. Ein Relief, welches dem Symbol der Internationalen Brigaden angelehnt ist und welches sich am Gedenkstein befunden hatte, fehlt jedoch seit einigen Jahren.

Da die Stadt Potsdam an dem Gedenkstein scheinbar kein Interesse hat (siehe Kleine Anfrage von der Fraktion Die Andere 09/SVV/0743) gibt es nun von der Ortsvereinigung VVN-BdA Potsdam die Initiative, den Gedenkstein wieder originalgetreu und ehrwürdig herzurichten. So findet am Vormittag des 28.07. eine Gedenkveranstaltung an diesem Platz statt. Das Datum wurde in Erinnerung an Walter Junker ausgewählt, der am 28.07.1938 bei der Ebroschlacht gefallen ist. Am 27.11. diesen Jahres wäre er 100 Jahre alt geworden.

Quellen:
“Besonders jetzt tu deine Pflicht!“ – Kurze biografische Darstellungen über antifaschistische Widerstandskämpfer, die in der Stadt und im Kreis Potsdam lebten und wirkten; Herausgeber: Kreiskomitee Potsdam der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR, 1988

Mitgestalter der Geschichte – Wegbereiter unserer Zeit; Herausgeber: Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung in der Kreisleitung der SED Potsdam, 1980

Solidaridad Pasaremos – Erlebnisberichte von Interbrigadisten des Bezirkes Potsdam; Herausgeber: Bezirkskomitee Potsdam der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR, 1981