Unter der Sahne liegt die schimmlige Stelle

zu „Omas trockener Streußelkuchen“ (Potsdamned! # 10)

In dem Artikel „Omas trockener Streußelkuchen“ heißt es zum Ausklang: „[…] Potsdamer Neonazis fühlen sich in einer mächtigen und sicheren Position und treten immer selbstbewusster auf. Dem gilt es gemeinsam einen Riegel vorzuschieben. Das Naziproblem ist und war niemals eines, dass nur Plattenbaubezirkes nachts um zehn Uhr betrifft, sondern uns alle. Also muss die Antwort darauf auch eine gemeinsame sein.“ (Vgl.: Potsdamned! #10, S. 21) In diesem Fall bleibt von Omas trockener Sonntagbackware ein bitterer Nachgeschmack. Ob sich die Autor_innen da nicht mal in der Auslage vergriffen haben? Sehr schade eigentlich, dass einem sehr informativen Zweiteiler, so ein matschiger Schluss folgt. Das Neonazis sich in einer „mächtigen und sicheren Position“ fühlen, überrascht nicht wirklich. Denn Nazi sein, heißt pendeln zwischen Größen- und Verfolgungswahn. Will man auf der einen Seite noch, wie aus dem rechten Ärmel geschüttelt, dass „System rocken“, sieht man sich auf der anderen als Opfer von Gesinnungspolizei, Uncle Sam und Lady Liberty oder der GEZ. Das der nationale Widerstand auch zu später Stund nicht nur durch die Waldstadt und den Schlaatz streift und seine englischsprachigen Aufkleber für ein urgermanisches Deutschland an jede Laterne pappt, leuchtet zwar ein, beleuchtet aber nicht das wesentliche Problem. Das Problem liegt im Problem. Die Nazis als „Problem“ einer sonst eigentlich ganz netten deutschen Gesellschaft, die wenn sie es will (meistens aber eher nicht), sich „gemeinsam“ gegen die Auswüchse von gestern auflehnt, zu bezeichnen ist extrem. Und zwar nicht nur extrem einseitig, sondern auch im Geiste der „Extremismustheorie“. Da staunt der Eckhard Jesse und der Uwe Backes freut sich. Nazis als den braunen Peter an den rechten Rand der gesellschaftlichen Realität, in der rassistisch abgeschoben und sexistisch gegen Menschen gehetzt wird, zu schieben, verkürzt und verkennt. Ideologien der Ungleichheit und völkische Weltbilder tummeln quer Fruchtbeet und freuen sich ihres Daseins wie die Made im veganen Obstkuchen. Wo nichts da ist, da können Nazis nicht anknüpfen. Der „Aufstand der Anständigen“: gutgemeint, mehr aber auch nicht. Wie soll sich da eine „gemeinsame Antwort“ artikulieren? Vielleicht mit „Deutschland den Multideutschen!“ einer exotischen Ausländer_innenparade, wie dem „Karneval der Kulturen“, oder doch lieber „Bunt statt braun?“ Weit wird dies allerdings nicht kommen; gehört das Braun zum deutschen Regenbogen dazu, wie Hefe in den Teig.

Aufgequollen grüßt:
Saftige Fruchtschnitte