These zu hihi oder auau

zu „These zu Theorie und Praxis“ aus der Potsdamned! #10

Häää? Nach dem Hubschrauberpilot-Fake-Artikel schon etwas aufmerksamer geworden, las ich den Rest der letzten Potsdamned! genauer als zuvor. Und sogleich verusachte der Potsdamned-Beitrag „These zu Theorie und Praxis“ aus der letzten Ausgabe erst Stirnrunzeln, dann Schüttel-Kiecher-Krämpfe. Schon nach wenigen Sätzen weckten der super-schlau-Getue-Stil, Zufälligkeiten, Unklarheiten bzw. Widersprüche im Text bei mir die Vorstellung, dass es sich um nichts ernstgemeintes, sondern eher um eine gute Disse solcher politischer Texte handelt, die es nicht lassen kann, mit Tausenden von Fremdwörtern zu hantieren, einen umständlichen Formulierungsmodus zu nutzen und eine Inbrunst an Tag zu legen, die fast religiös wirkt. Oder ist es doch ernst gemeint?

Ich finde die Verwendung von Fachbegriffen gut, wenn sie Sinn hat, also komplexte Theorie(teile) komprimieren und eine Diskussion so erleichtern können, aber ich finde sie doof, wenn sie primär die eigene vermeintliche Schlauheit und Belesenheit hervorheben (soll). Solchen Text bzw. solchen Autor_innen scheint oft gemein zu sein, die gefressene Weisheit so darzustellen, als ob es oder alles 100 % klar wäre.

Die größten Sätze aus „These zu Theorie und Praxis“ nach m.M.:
1. „Die Linke befindet sich in einer Krise. Das ist offensichtlich. Nur handelt es sich hierbei sekundär um eine praktische, vielmehr um eine theoretische. Allein die unterschiedliche Beschaffenheit der Menschen verweist darauf.“ – Aha. Die Unterschiedlichkeit der Menschen deute auf die theoretische Krise der Linken. Alles klar. Später kommt noch die darauf aufbauende heiße These, dass in linken Bewegungen “unweigerlich“ die “affektive Besetzung der eigenen Gesinnung“ über Reflexion siegen muss.

2. Dann werden große (allzeit gültige?) Weltweisheiten verkündet: „Denn so wie die Gesellschaft, verpasste auch die Philosophie den Zeitpunkt ihrer eigenen Verwirklichung. Wir sehen also den Konflikt im Verhältnis von Theorie und Praxis, deren innere Bedingtheit durch die strikte Trennung verwischt wird.“

3. „Die einzige Möglichkeit, die bestehe diesem Verhältnis zu entfliehen, scheint die Selbstsetzung zu sein. In dem ich mich selbst setzte, bekommt es den Anschein als würde ich mich der stetigen Reproduktion entäußern.“ – Hähh. wenns Sinn machen sollte, wärs super, die Begriffe vorher zu erklären. (S. 15)

4. „Ich setze mich und meinen Körper, entfliehe der Beherrschung, da ich die Gefahr in Kauf nehme nicht mehr zu sein“ – Wuahh? (S. 15)

5. Und abschließend das große Aufgebot der Phrasen und ein brennender Abschluss: „Und es ist die Wirklichkeit, welche die pragmatische Praxis Lügen straft und eine revolutionäre Praxis verneinen müsste. Die Verortung der Herrschaft in das subjekt ist demnach nicht revolutionär. Das offene Herrschaftsverhältnis ist immer noch ehrlicher als das scheinheilige, das sich links nennt.“

Hermine und Harry – guter Fake! oder: nochmal und bittte verständlicher! Denn wenns unverständlich oder nur für 1 % der Menschen zu verstehen ist, ist es (theoretisch oder praktisch) fürn Müll und nix für den gemeinsamen Umstoß der beschissenen Verhältnisse!

B.